Befreiung, Ruhe, Kraft und Hingabe des Christen (1)

Dieser Artikel ist beim Beröa-Verlag, Zürich, in Buchform erhältlich. Beachten Sie den ne­ben­ste­hen­den Buchtipp.

Die Befreiung

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Mehrzahl der Christen nicht glücklich ist. Viele werden offen zugeben, dass sie in ihrem christlichen Leben schmerzlich enttäuscht wurden. Bei ihrer Bekehrung schien die Zukunft voller Verheissungen. Es war wie die Morgenröte eines wolkenlosen Tages, voller Friede und Freude. Kaum hatten sie aber ihre Reise begonnen, verdunkelte sich ihr Himmel durch Wolken aller Art. Dann und wann brachen vielleicht einige Sonnenstrahlen hindurch, aber im Allgemeinen ging es so weiter und in manchen Fällen wurde es noch schlimmer. Man war wohl auf Kampf gefasst, aber der Kampf endete gewöhnlich nicht mit Sieg, sondern mit Niederlage. Das Böse im Innern und der Feind von aussen gewinnen immer wieder die Oberhand, so dass an die Stelle des Vertrauens und der fröhlichen Hoffnung des Anfangs ein Zustand der Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit getreten ist.

Die Traurigkeit erhöht sich noch, wenn man entdeckt, dass eine solche Erfahrung keineswegs dem christlichen Leben entspricht, das uns im Wort Gottes als das normale vorgestellt wird.

Es ist wohl wahr, dass wir uns inmitten einer feindlichen Umgebung befinden, dass Satan sich fortwährend bemüht, uns mit seinen Listen einzufangen, dass wir Pilger und Fremde sind und somit in der Welt, die wir durchschreiten, weder Bequemlichkeit noch Ruhe zu erwarten haben und dass unser Leib allen Arten von Leiden ausgesetzt ist. Aber nicht eines dieser Dinge, nicht einmal alle zusammen, müssen unsere Seele verdunkeln und beunruhigen. Hört den Apostel Paulus! Zuerst stellt er in Bezug auf uns Gläubige fest: «Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber beschämt nicht, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist» (Röm 5,1-5).

Auch der Philipperbrief beschreibt diese Erfahrung, die den Christen kennzeichnen soll. Dort findet ihr einen Gläubigen, der vollkommen glücklich war, obwohl er sich im Gefängnis und unter der ständigen Drohung befand, eines Tages umgebracht zu werden. Aber Christus war die Kraft seines Lebens, sein einziger Gegenstand und sein einziges Ziel. Es war sein sehnliches Verlangen, bei Ihm und Ihm gleichförmig zu sein. Das befähigte ihn, völlig über den Umständen zu stehen und mit jeder Lage zufrieden zu sein, in der er sich befand. Er vermochte alles durch den, der ihm die innere Kraft dazu darreichte. Welch ein Gegensatz zwischen seiner Erfahrung und jener der meisten Gläubigen!

Aber, so werdet ihr sagen, das ist die Erfahrung eines Apostels, wir massen uns nicht an, eine solche Höhe zu erreichen.

Zugegeben, das Ziel ist hoch. Aber der Apostel, der einen so hohen Grad des Fortschrittes im geistlichen Leben erreicht hatte, ist nicht einmal unser höchstes Musterbild; unser vollkommenes Vorbild ist Christus. Lasst uns zudem bedenken, dass der Apostel, ausser seiner besonderen Gabe, keine einzige Segnung besass, die nicht auch das Teil des geringsten Gläubigen wäre. War er ein Kind Gottes? Wir sind es auch. Besass er die Vergebung seiner Sünden? Auch wir haben sie. Genoss er das unschätzbare Vorrecht, den Geist – den Geist der Sohnschaft – in ihm wohnen zu haben? Wir auch. War er ein Glied am Leib Christi? Gerade so wie wir. Auf diese Weise könnten wir alle aus der Erlösung entspringenden Segnungen aufzählen und dabei feststellen, dass Paulus darin in keiner Weise eine Ausnahme bildete; denn wie er sind auch wir Erben Gottes und Miterben von Jesus Christus.

Wenn dem so ist, wie kommt es denn, dass eine so geringe Zahl von Gläubigen die gleichen Erfahrungen machen? Dass so wenige eine bleibende Ruhe und ein beständiges Glück kennen?

Wir empfehlen dem Leser, der Beantwortung dieser Frage ernste Beachtung zu schenken.

Mit Christus gestorben

Die Hauptursache, die den erwähnten Schwierigkeiten zugrunde liegt, ist der Mangel an gutem Willen oder die Nachlässigkeit der Kinder Gottes, alles kennen zu lernen, was in Christus ihr sicherer Besitz ist.

Einige begnügen sich mit der Gewissheit, von Neuem geboren zu sein und die Vergebung ihrer Sünden zu haben. Ihr auf dieses Mass begrenzte Heil ist das Ziel und Ende ihrer Wünsche. Eine solche Einstellung hat zur Folge, dass bei manchen die ersten Tage ihres Christenlebens die besten sind. Sie begannen mit grosser Freude und grossem Eifer, jetzt aber sind sie sorglos und gleichgültig oder gar weltlich.

Wenn ein Christ über die Vergebung seiner Sünden hinaus nichts weiter begehrt, wird er bald entdecken, dass er keine Kraft besitzt, um den Begierden des Fleisches und den Versuchungen Satans zu widerstehen.

Um ein glückliches Christenleben führen zu können, ist es unumgänglich, die Wahrheit zu kennen und praktisch zu verwirklichen, dass wir mit Christus gestorben sind.

Wer nicht zu diesem Punkt gelangt, wird nur Unruhe und Kampf und keine Aussicht auf Sieg haben.

Das will ich mit ein paar Worten begründen. Die Erlösung, wie wir sie nötig hatten, musste zwei Dingen begegnen:

  • unseren Sünden und
  • der Natur, aus der sie hervorkommen,

den bösen Früchten und dem Baum, der sie hervorbringt. Was den ersten Punkt anbelangt, begegnete das Blut Christi unseren Bedürfnissen. Es war das einzige Mittel, durch das die Schuld von uns genommen werden konnte, die auf uns lastete (siehe Heb 10,1-22; 1. Joh 1,7). Aber, obwohl wir durch das Blut des Christus weiss geworden sind wie Schnee, obwohl wir von Neuem geboren sind und somit eine neue Natur, ein neues Leben besitzen, so bleibt doch die böse Natur in ihrer ganzen Verdorbenheit in uns bestehen und kann weder gereinigt noch verbessert werden. Die Seele, die von dieser Wahrheit überzeugt ist und sich bewusst wird, dass sie in ihren Kämpfen gegen das Fleisch unvermögend ist, kommt zu dem Aufschrei: «Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?» (Röm 7,24). Wie viele Kinder Gottes hört man immer noch diesen selben Schrei voll Bitterkeit ausrufen!

Wie antwortet Gott auf dieses Bedürfnis der Gläubigen?

Wir finden die Antwort in Römer 6,6-7: «Da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.» Mit dem Ausdruck «der alte Mensch» wird die böse Natur bezeichnet, die wir von Adam haben, das Fleisch als Grundsatz des Bösen in uns; und mit dem «Leib der Sünde» ist die Sünde in ihrer Gesamtheit gemeint. Durch diese Worte (siehe auch Röm 8,3) erfahren wir, dass Gott im Hinblick auf unsere böse Natur schon gehandelt hat, und zwar durch den Tod von Jesus Christus; dort hat Er die Sünde im Fleisch verurteilt. Der Apostel sagt: «Ich bin mit Christus gekreuzigt» (Gal 2,19). Nicht nur hat der Herr Jesus in seiner unendlichen Gnade unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen, Gott lässt uns darüber hinaus in seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit auch am Tod Christi teilhaben, so dass also sein Gericht über das, was wir sind, das heisst über unser Fleisch mit seinen Wurzeln und Zweigen, schon ausgeführt worden ist.

Er hat also im Tod von Christus zwei Dinge beseitigt:

  • Unsere Sünden und
  • unsere böse Natur;

beide sind gerichtlich für immer vor seinem Angesicht weggetan.

Das ist es, was Gott uns in seinem Wort sagt. Wenn ich durch die Gnade sein Zeugnis in der Tilgung meiner Sünden annehme, warum sollte ich mich dann nicht auch auf sein Wort verlassen, wenn Er mich darin lehrt, dass Er mich zum Teilhaber am Tod seines vielgeliebten Sohnes gemacht hat? Gerade auf diese Tatsache gründet der Apostel die Ermahnung «So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde tot seid, Gott aber lebend in Christus Jesus» (Röm 6,11). Ich nehme durch den Glauben die Erklärung Gottes an und handle danach; ich weise die Anreizungen des Fleisches zurück, indem ich mich auf die Tatsache stütze, dass ich dem Fleisch gestorben bin, weil ich am Tod Christi teilhabe. Mit anderen Worten: Ich stütze mich auf mein Gestorbensein mit Christus, als auf eine Wahrheit, die vor Gott besteht, und nehme infolgedessen in dieser Welt den Platz eines Gestorbenen ein.

Lasst uns nun untersuchen, welche vier Folgen sich aus der Annahme dieser Stellung ergeben.

1. Befreit von der Macht der Sünde

In erster Linie sind wir von der Sünde losgemacht oder freigesprochen. – Lasst uns beachten, es heisst von «der Sünde» und nicht von «den Sünden». Das will sagen: das Fleisch, «die Sünde im Fleisch», der böse Grundsatz unserer verdorbenen Natur, «der alte Mensch», hat kein Recht mehr über uns. Das Fleisch ist noch in uns, und zwar bis zum Ende unserer Pilgerschaft. Aber wenn ich mich selbst für tot halte, also den Tod über das anerkenne, was ich bin, als aus dem Fleisch geboren, hat die Sünde keine Macht über mich. Einst war ich ihr Sklave, jetzt aber bin ich von dieser Knechtschaft befreit. Aber wie? Durch den Tod, durch mein mit Christus Gestorbensein. Mein ehemaliger Gebieter hat keinerlei Recht mehr über mich; durch den Tod bin ich von seinem Joch befreit worden.

Angenommen, ein toter Mensch läge vor dir und du versuchtest mit allen möglichen Verführungskünsten, ihn zur Sünde zu verführen. Würdest du die Torheit eines solchen Versuches nicht sofort einsehen? Wie er auch gewesen sein mag, als er noch lebte – jetzt hat die Sünde keine Wirkung, keine Gewalt mehr über ihn. Nicht einmal Satan kann einen Toten versuchen. – So wird es auch mit uns sein, wenn wir durch die Gnade uns selbst Stunde für Stunde der Sünde für tot halten, aber Gott lebend in Christus Jesus. Das ist der einzige Weg zum Sieg. Einige möchten durch eine entschiedene Willensanstrengung überwinden. Andere versuchen, der Sünde abzusterben. Aber das führt nur zu Enttäuschung. Der Weg, den wir soeben beschrieben haben, ist allein der Weg Gottes. Weil wir gestorben sind, werden wir ermahnt, unsere Glieder: «Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht», zu töten (Kol 3,5), also den Tod auf uns selber anzuwenden und immer und überall «das Sterben Jesu am Leib» umherzutragen (2. Kor 4,10), damit jede Regung der Sünde, des Fleisches, aufgehalten und gerichtet wird. Die Methode des Menschen führt zur Askese, zu strengem Leben, zu Kasteiung des Körpers und schliesslich zu schlimmster Knechtschaft; der Weg Gottes aber zu Befreiung und zu glücklicher Freiheit.

2. Befreit vom Gesetz

Die zweite Folge ist die Befreiung vom Gesetz. – Paulus schreibt: «Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus.» Und an anderer Stelle: «Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in dem wir festgehalten wurden» (Röm 7,4-6 usw.; siehe auch Gal 2,19). Der Apostel lehrt also, dass das Gesetz nur so lange Gewalt hat über den Menschen, als er lebt. Wenn wir mit Christus gestorben sind, so sind wir demnach auch von der Macht des Gesetzes befreit. Wie gut, dass dem so ist! «Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch» (Gal 3,10).

Ist das nicht eine frohe Botschaft für jeden Gläubigen? Von Natur sind wir alle gesetzlich und diese Neigung zur Gesetzlichkeit bleibt in uns bestehen, selbst nachdem wir durch den Glauben an den Herrn Jesus Kinder Gottes geworden sind. Sie dringt sozusagen in das Gewebe unseres Wesens ein und zeigt sich immer wieder in unseren Worten und Taten. Das führt dazu, dass viele die Freiheit, für die Christus uns frei gemacht hat, sehr wenig kennen und täglich unter der selbst auferlegten Knechtschaft seufzen.

Aber, so fragst du, sind wir überhaupt unter Gesetz? Die Juden waren es, aber trifft dies auch auf uns, die Gläubigen aus den Nationen, zu?

Nein, nicht im gleichen Sinn; aber der gesetzliche Grundsatz ist uns gerade so sehr angeboren wie den Juden. Wenn ich zum Beispiel nach meiner Bekehrung fühle, dass ich den Herrn Jesus mehr lieben sollte, und ich es dann zu tun versuche, oder dass ich besser beten sollte und niedergeschlagen und entmutigt bin, weil ich dieser Pflicht nicht genauer nachgekommen bin – dann bin ich im Prinzip in allen diesen Fällen ebenso sehr unter Gesetz wie die Juden. Das Wesen des Gesetzes liegt in seinem «du sollst!». Verwandle ich also die Gebote des Herrn in ein «du sollst dies und jenes tun!», so stelle ich mich unter das Joch des Gesetzes. Von diesem Augenblick an befinde ich mich auf dem Weg, wo man immer wieder fällt und ein schlechtes Gewissen hat.

Wir haben alle zu lernen, dass wir durch unsere Vereinigung mit Christus im Tod sowohl vom Gesetz als auch vom Grundsatz des Gesetzes befreit sind. Wir sind eines anderen geworden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht brächten. Lasst uns beachten: Es heisst «Frucht», nicht «Gesetzeswerke». Das Christentum hat kein «du sollst!»; es setzt den Werken des Gesetzes und des Fleisches die kostbare Frucht des Geistes gegenüber (Gal 5,22), die nicht, wie die Gesetzeswerke, durch menschliche Anstrengung, sondern durch göttliche Kraft hervorgebracht wird.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Dingen ist so gross wie nur möglich. Sobald wir wissen, dass wir weder durch Anstrengung noch durch irgendwelches Arbeiten an uns selbst Frucht für Gott hervorbringen können, und auch gelernt haben, dass die fruchtbringende Kraft in einem anderen ist, (der tatsächlich durch den Geist, der in den Seinen wohnt, wirksam ist), richten wir unseren Blick nach oben, auf Ihn, in der Zuversicht, dass Er uns nach seinem eigenen Willen zu seiner Verherrlichung gebrauchen wird. Statt uns also in eigener Kraft abzumühen, setzen wir unser Vertrauen auf Ihn; statt in uns selbst Frucht zu suchen, begehren wir nun, dass Christus in der Kraft seiner göttlichen Macht in uns wirke.

3. Befreit von der Welt

Dritte Folge: wir sind von der Welt befreit. – Im Gegensatz zu gewissen Gesetzeseiferern, die der Verfolgung ausweichen wollten und sich im Fleisch rühmten, sagt der Apostel: «Von mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt» (Gal 6,14). Wir lesen im Johannes-Evangelium, dass die Welt im Tod Christi gerichtet worden ist (Joh 12,31). Die Kreuzigung des Erlösers bedeutet für die Welt, die Ihn verworfen hat, ihre völlige und unbedingte Verurteilung. Gott hat sie am Kreuz in sittlicher Hinsicht gerichtet, und Paulus betrachtete sie in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes an diesem selben Kreuz als für ihn gekreuzigt. Aber auch sich selbst hielt er für gekreuzigt, auf dieselbe Weise. Er war dadurch völlig von ihr befreit. Denn wenn sowohl die Welt als auch er selbst gekreuzigt war, so konnten sie sich gegenseitig nicht mehr anziehen. Die Welt mit allen ihren Reizen und allen ihren Verführungen kann auf jemand, der sich durch den Tod Christi in sittlicher Beziehung als gerichtet betrachtet, keine Anziehung ausüben. Anderseits, wer sich selbst durch das Kreuz von Christus als mitgekreuzigt betrachtet, hat auch der Welt nichts Anziehendes mehr zu bieten. So gesehen ist das Kreuz eine unübersteigbare Schranke zwischen der Welt und dem Christen; ja, das Kreuz ist das Mittel, durch das das wahre Wesen der Welt offenbar wird. Es lehrt uns, «dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist» (Jak 4,4).

4. Befreit vom Menschen

Es gibt noch eine letzte Folge unseres Todes mit Christus: wir sind vom Menschen befreit. – «Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid», sagt der Apostel, «was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!» (Kol 2,20.21). Es ist der religiöse Mensch, den wir hier vor uns haben, dessen Bestreben es ist, das Fleisch zu verbessern, der aber dieses Ziel nicht erreicht, sondern nur der Befriedigung des Fleisches dient. Diese wichtige Stelle lehrt uns, dass der Gläubige, als mit Christus gestorben, vom Menschen und seinen religiösen Ansprüchen völlig befreit ist. Würde er sie anerkennen, so nähme er damit seinen Platz als in der Welt lebend ein und verleugnete die Tatsache seiner eigenen Vereinigung mit Christus im Tod. Der Gläubige verliert also den «Menschen» aus dem Blickfeld, lehnt ihn völlig ab und leugnet seine angemasste Autorität, weil er als Christ ausschliesslich Christus unterworfen ist. Selbst in den Beziehungen dieses Lebens gehorcht er den Behörden, den Vorgesetzten oder Eltern aus dem Grund, dass er durch Christus selbst in eine Stellung der Unterordnung ihnen gegenüber versetzt worden ist. Ein armer christlicher Sklave, der seinem Gebieter gehorchte, gehorchte dadurch dem Herrn Jesus Christus (Kol 3,22-25).

Es gibt also für den Gläubigen, der sich für «mit Christus gestorben» hält, eine völlige Befreiung von der Sünde, vom Gesetz, von der Welt und vom Menschen. (Das Fleisch hat Lüste, beachtet Vorschriften, hat weltliche Begierden und eine fleischliche Religion.) Man kann mit den auf Israel angewandten Worten von den Gläubigen sagen: «Sie werden die gefangen wegführen, die sie gefangen wegführten» (Jes 14,2). Alle Feinde sind besiegt und nur Christus allein anerkennen sie als ihren Herrn.