Winke und Anregungen zum Bibelstudium (2)

1. Das tägliche Bibellesen

Von all den verschiedenen Möglichkeiten, die Bibel zu studieren, steht das regelmässige, tägliche Lesen der Bibel an erster Stelle. Während unseres ganzen Lebens sollten wir immer wieder die ganze Schrift von 1. Mose bis Offenbarung durchlesen. Die absolute Notwendigkeit, unser Herz und Sinn vom Wortlaut der Bibel gründlich durchdringen zu lassen, kann nicht genug betont werden. Es kann durch nichts ersetzt werden. Auf dieser Grundlage muss jedes folgende Detailstudium ruhen. Wenn dieses Fundament zu wenig breit und tief ist, wird das darauf Aufgebaute, mag es noch so gross und wunderbar aussehen, keine genügende Standfestigkeit aufweisen.

Es ist nötig, dass wir die ganze Bibel immer wieder durchlesen. Das gibt uns eine vollkommene und ausgewogene Kenntnis der Gedanken Gottes, wie sie in seinem Wort offenbart sind. Es bewahrt uns vor einseitigen, extremen Ansichten. Nur einige bevorzugte Teile des Wortes immer wieder zu lesen und andere überhaupt nicht, ist keine gute Gewohnheit. «Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre» (2. Tim 3,16) und darum sollten wir die ganze Bibel durchlesen.

In jeder christlichen Familie sollte mindestens einmal am Tag das Wort gemeinsam gelesen und zusammen gebetet werden. Daneben ist es empfehlenswert, dass jeder persönlich für sich mindestens ein Kapitel pro Tag liest. Das persönliche Lesen und Studieren des Wortes ist ausserordentlich wichtig. Es geht nichts über das persönliche Erforschen der Schrift, um mit eigenen Augen zu sehen, was Gott gesagt hat.

Am besten beginnt man beim Lesen mit den Evangelien und fährt fort mit dem Neuen Testament, um anschliessend auch das Alte Testament zu lesen. Das Alte Testament ist im Neuen offenbart und das Neue liegt im Alten verborgen. Liest man täglich ein Kapitel, benötigt man ungefähr drei Jahre, um die ganze Bibel durchzulesen. Kann man drei Kapitel pro Tag lesen, kommt man in einem Jahr durch die ganze Bibel.

Um ein gewöhnliches Kapitel aufmerksam zu lesen, benötigt man nicht mehr als zehn Minuten. Auch wenn unser Leben noch so ausgefüllt ist, soviel Zeit finden wir sicher für diese nötige geistliche Übung. Wer mehr freie Zeit hat und eine halbe Stunde pro Tag dem Lesen der Bibel widmen kann, wird nach einem Jahr durch die ganze Bibel gekommen sein. Wie wichtig ist es, dass wir den Herrn ehren, indem wir täglich einen Teil unserer Zeit Ihm reservieren. Wie viel Zeit der 24 Stunden unseres Tages können wir Ihm geben, um auf seine Stimme in seinem Wort zu hören? Wie schade, wenn es nicht einmal zehn Minuten sind!

Regelmässigkeit und eine feste Ordnung sind beim täglichen Bibellesen erforderlich. Wir sind Gewohnheits­menschen. Haben wir im Herzen den festen Vorsatz gefasst, täglich ein Kapitel zu lesen, wird es nicht mehr schwierig sein, diesen Plan auszuführen. Das Lesen des Wortes wird zu einer täglichen, gewohnheitsmässigen geistlichen Übung und wird zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens. Es sollte zu einer so regelmässigen und festen Sache werden, wie unsere Mahlzeiten.

Es ist von Vorteil, wenn wir am Morgen, solange unser Geist noch frisch und aufnahmefähig ist, einige Minuten dem Lesen der Schrift widmen. Das gibt unserem Geist einen guten Start in den neuen Tag und stärkt den neuen Menschen in uns für all die Belastungen und Spannungen unseres Lebens in einer gottfeindlichen Welt. Wie der Israelit das Manna jeden Morgen (ausgenommen am Sabbat), bevor die Sonne heiss wurde, einsammeln musste (2. Mo 16,21), so sollten auch wir unser tägliches Teil aus dem Wort Gottes schöpfen, bevor die Hitze unseres Tagewerkes über uns kommt.

Es ist bestimmt auch eine gute Übung, wenn man täglich im Neuen und Alten Testament liest, z.B. am Morgen im Neuen und abends im Alten.

Den Überblick gewinnen

Wenn es die Zeit erlaubt, ist es gut, ein ganzes Buch der Bibel auf einmal durchzulesen. Dadurch bekommt man einen guten allgemeinen Eindruck über dessen Inhalt. Man könnte dies mit einer schnellen Reise durch einen Landesteil vergleichen, auf der wir eine ziemlich gute Vorstellung der allgemeinen Merkmale dieser Gegend bekommen. Ein solch «quantitatives Lesen» hat den Zweck, uns einzuführen und uns den Hauptgedanken zu zeigen, den der Heilige Geist in diesem bestimmten Buch verfolgt. Das ist eine Vorbereitung für ein späteres Detailstudium.

Das Markus-Evangelium z.B. lässt sich gut in einem einzigen Zug durchlesen, und dabei werden die Kennzeichen dieses Evangeliums wahrgenommen. In der gleichen Art und Weise können wir auch durch die Briefe und einzelne der Propheten gehen.

Die Sicht durch das Fernrohr und das Mikroskop

In der Natur gibt es zwei Möglichkeiten, die Dinge zu betrachten. Mit einem Teleskop können wir in die Ferne blicken, die Sterne des Himmels betrachten, oder die Berge, Täler und Ortschaften. Dabei bekommen wir eine sehr weite Sicht über die Schöpfung. Wir können aber auch durch ein Mikroskop sehen und die Schönheiten und Vollkommenheiten der winzigen Lebewesen aus unserer Umwelt bewundern, die dem blossen Auge unsichtbar sind. Genauso können wir auch die Bibel untersuchen. Das quantitative Lesen, das wir soeben erwähnten, gleicht einer Betrachtung durch das Fernrohr, wobei der Leser einen allgemeinen Überblick über die einzelnen Teile erlangt. Es ist ausserordentlich wichtig, dass der gläubige Bibelleser in seinem Geist eine gute Übersicht über das Panorama der biblischen Wahrheiten besitzt. Denn diese Erkenntnis hilft ihm, stets eine klare Sicht zu bewahren.

Bei der mikroskopischen Betrachtung wird jeder Teil eines Schriftabschnittes sorgfältig untersucht. Auf diese Weise entdecken wir Schönheiten und Vollkommenheiten in den kleinsten Einzelheiten. Diese Art von Studium ist ebenso nötig und nützlich. Wir werden später noch darauf zurückkommen.

Die erwähnten zwei Wege, um die Bibel zu studieren, können noch durch ein weiteres Beispiel erläutert werden. Um die Lage und die Besonderheiten einer Stadt kennenzulernen, wird man zuerst einen Hügel in deren Nähe besteigen und die Stadt als Ganzes von oben betrachten. Nachdem man die allgemeinen Merkmale festgestellt hat, wird man durch die Strassen der einzelnen Stadtteile gehen und im Einzelnen die verschiedenartigen und besonderen Kennzeichen besichtigen.

Notizen und Anmerkungen

Zu unserem Gegenstand, dem täglichen Bibellesen, noch einige Gedanken über Notizen und Anmerkungen in unserer Bibel oder in einem Notizbuch von dem, was uns beim Lesen beeindruckt hat. Z.B. können uns besonders schöne oder passende Sätze auffallen. Durch einen Strich an der Seite oder durch Unterstreichen kennzeichnen wir sie. Besonders wichtige oder sich wiederholende Ausdrücke heben wir durch Unterstreichen hervor. Beim Lesen kommen uns vielleicht Stellen in den Sinn, die mit dem vor uns liegenden Gegenstand in Verbindung stehen. Solche können wir uns am Seitenrand notieren. Es ist gut, wenn jeder lernt, Parallelstellen anzugeben, die den gelesenen Text erläutern. Oft kommen einem beim Lesen spezielle Gedanken, der Heilige Geist weckt gewisse Eindrücke. Diese können entweder am Seitenrand der Bibel oder in ein Notizbuch eingetragen werden. Viele wertvolle Dinge würden unserem Gedächtnis entschwinden, wenn wir sie nicht niederschrieben.

Anmerkungen und Stellenangaben sollten mit feiner Feder oder feiner Kugelschreiberspitze gemacht werden, damit sie auch nach Jahren noch lesbar sind. Bleistiftnotizen verblassen mit der Zeit. Es besteht auch die Möglichkeit der Verwendung verschiedener Farben beim Unterstreichen, z.B. rot für Erlösung, blau für himmlische Wahrheiten, schwarz für Sünde, usw.