Winke und Anregungen zum Bibelstudium (4)

Römer 1; Römer 16

3. Überblicke und Umrisse

Nachdem wir uns fest vorgenommen haben, soweit es uns möglich ist, die Bibel von ganzem Herzen und unter Gebet zu studieren, sie nun regelmässig und systematisch lesen und uns täglich ein oder zwei Verse einprägen, sind wir auf dem Weg, den grossen, breiten Strom der göttlichen Wahrheit zu erforschen. Die verschiedenen Teile der Bibel werden uns nun geläufiger. Eine Fülle von Material liegt bereit, damit wir beginnen können, die Übersicht über einzelne Kapitel und Bücher der Schrift zu gewinnen.

Früher erwähnten wir zwei Betrachtungsweisen beim Bibelstudium, die teleskopische und die mikroskopische – der allgemeine Überblick und die Detailuntersuchung. Wir glauben, dass es gut ist, das Wort zuerst allgemein zu studieren und dabei Abrisse von Kapiteln und Büchern zu machen. Diese sollten sich gut in unser Verständnis einprägen. Auch bei dieser Arbeit sind Schreibzeug und Notizbuch von grossem Nutzen: Das Gefundene bleibt uns erhalten.

Kurze Inhaltsangabe des Römerbriefes

Wir wollen als Beispiel für diese Art des Betrachtens versuchen, einen kurzen Überblick über den Brief an die Römer zu geben. Zuerst werden wir einige Kapitel durchgehen und die darin enthaltenen Hauptgedanken festhalten.

Kapitel 1

Beim Lesen dieses Abschnittes stellen wir fest, dass die ersten 17 Verse die Anrede und eine Einleitung enthalten. Die Verse 16 und 17 scheinen sehr wichtig zu sein. Wenn wir den ganzen Brief mehr als einmal durchgelesen haben und er uns vertraut geworden ist, werden wir feststellen, dass die genannten beiden Verse eigentlich das Thema des ganzen Buches beinhalten: Das Evangelium Gottes und seine Gerechtigkeit, wie sie dem Glauben offenbart ist. Im 18. Vers beginnt der Kern des Briefes. Da lesen wir vom Zorn Gottes gegen alle Gottlosigkeit. Der Rest des Kapitels handelt von den Sünden der sogenannten Heiden und von ihrem Abfall von der einstigen Erkenntnis Gottes bis zu den niedrigsten Auswüchsen der Sünde. Vers 18 ist also die Überschrift dieses ersten Teiles, der, wie wir noch sehen werden, in den Kapiteln 2 und 3 fortgesetzt wird.

Zusammenfassend können wir zu Kapitel 1 folgende Stichworte notieren:

  • Verse 1-17, Anrede und Einleitung;
  • Verse 16,17, Gegenstand des Briefes, Evangelium von Christus und Gerechtigkeit Gottes dem Glauben offenbart;
  • Verse 18-32, erster Hauptteil des Briefes – der Zorn Gottes gegen die Gottlosigkeit und Sünden der abgefallenen und entarteten Heiden;
  • Vers 18, Überschrift dieses Teiles.

Kapitel 2

Hier können wir notieren: Fortsetzung des Themas «Sünden»;

  • Verse 1-16, die Sünden der zivilisierten Nationen, der Moralisten;
  • Verse 17-29, die Sünden der religiösen Juden.

Kapitel 3

  • Verse 1-9, Fortsetzung der Behandlung der Sünden der Juden. Schlussfolgerung: Juden und Nationen unter der Sünde;
  • Verse 10-18, 14 Anklagen gegen das ganze Menschengeschlecht;
  • Vers 19, Urteil: Das Gesetz stopft jeden Mund, die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen;
  • Vers 20, Folgerung: durch Gesetzeswerke wird vor Gott niemand gerechtfertigt;
  • Verse 21-31, Gottes Gerechtigkeit erlangt durch Glauben an Jesus Christus; Sühnung für die Sünden aller, die Glauben haben an sein Blut – gerechtfertigt aus Glauben.

Kapitel 4

Gerechtigkeit aus Glauben erlangt, nicht aus Werken (Abraham und David als Beispiele). Gerechtigkeit achtmal erwähnt. Christus starb unserer Übertretungen wegen und wurde auferweckt zu unserer Rechtfertigung.

Kapitel 5

Verse 1-11, herrliches Ergebnis der Rechtfertigung aus Glauben: Friede mit Gott, Zugang zur Gnade, in der wir stehen, Hoffnung der Herrlichkeit Gottes, sich der Trübsal rühmen, die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist, gerechtfertigt durch sein Blut, gerettet vom Zorn, mit Gott versöhnt, gerettet durch sein Leben droben, sich rühmen in Gott selbst.

Verse 12-21, neuer Teil – Gegenstand Sünde, nicht Sünden wie bisher. Zwei Geschlechter, zwei Häupter – Adam und Christus. Durch Adams Sünde kommt Tod und Gericht auf alle Menschen; durch den Gehorsam und die Gerechtigkeit Christi ist die Gabe der Gnade und Gerechtigkeit überströmend geworden gegen die Vielen und viele sind in die Stellung von Gerechten gesetzt. Gnade ist gegenüber der Sünde noch überreichlicher geworden. «Gabe» fünfmal erwähnt.

Das ist ein Beispiel, wie man die einzelnen Kapitel gewinnbringend durcharbeiten, zergliedern und das Entdeckte kurz zusammenfassen kann. Wir empfehlen unseren Lesern, alle Kapitel des Römerbriefes in dieser Weise zu durchforschen. Es wird eine gute geistliche Übung sein.

Übersicht über den Römerbrief

Nachdem wir durch den ganzen Brief gekommen sind und uns von jedem Kapitel eine Zusammenfassung gemacht haben, haben wir ein gutes Bild des Buches erhalten. Sein Inhalt ist uns jetzt viel vertrauter geworden. Wir sind nun in der Lage, das vorhandene Material zu ordnen und eine Übersicht zusammenzustellen.

Wenn wir die Zusammenfassungen der Kapitel betrachten und sie miteinander vergleichen, entdecken wir leicht, dass der Brief in drei Hauptteile zerfällt und zwar wie folgt:

  • Kapitel 1-8 – Lehrmässiger Teil. Das Heil Gottes offenbart in Christus
  • Kapitel 9-11 – Gottes Regierungswege. Erfüllung der Verheissungen Gottes an Israel. Sein Handeln mit Israel und den Nationen in Gnade
  • Kapitel 12-16 – Praktische Ermahnungen

Nehmen wir nun den ersten Teil des Briefes, den lehrmässigen, der vielleicht der wichtigste ist. Wir erkennen darin eine natürliche Unterteilung.

  • Kapitel 1,1-5,11: Das Evangelium in Beziehung zu unseren Sünden, oder zu dem, was ich getan habe
  • Kapitel 5,12-8,39: Das Evangelium in Beziehung zur innewohnenden Sünde, oder zu dem, was ich bin

In der Folge wollen wir nun versuchen, aus dem Bisherigen einen Überblick über den ganzen Brief zusammenzustellen.

(Wir hoffen, dass unsere Leser diesen Überblick nicht einfach durchlesen, sondern selbst versuchen, aus den eigenen Kapitel-Zusammenfassungen eine Übersicht zusammenzutragen. Es wird dem Leser von grösserem Nutzen sein, als nur zu lesen, was ein anderer gesammelt hat.)

Ausführlicher Überblick

I. Kapitel 1 bis 8 – Lehrmässiger Teil
  A. Kapitel 1,1-5,11: Das Evangelium in Beziehung zu unseren Sünden – was ich getan habe.
    1. Kapitel 1,1-17: Einleitung – V. 16,17 Gegenstand des Briefes: Gerechtigkeit Gottes dem Glauben offenbart.
    2. Kapitel 1,18 – 3,20: Die Notwendigkeit des Evangeliums
      a) Kapitel 1,18-32: Der Zorn Gottes gegen die Gottlosigkeit. Sünden der abgefallenen, primitiven Heiden.
      b) Kapitel 2,1-16: Sünden der zivilisierten Nationen.
      c) Kapitel 2,17-3,9: Sünden der religiösen Juden.
      d) Kapitel 3,10-18: 14 Anklagen gegen das ganze Menschengeschlecht.
      e) Kapitel 3,19-20: Das Urteil des Gesetzes: die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen.
    3. Kapitel 3,21 – 5,11: Die Botschaft von Christus begegnet dem Bedürfnis des Menschen.
      a) Kapitel 3,21-31: Gottes Gerechtigkeit, ohne Gesetz offenbart in der Rechtfertigung des Sünders, der an den Herrn Jesus glaubt, den Gott als Sühnungsmittel gegeben hat. Gerechtfertigt aus Gnaden – Gottes Seite. Gerechtfertigt aus Glauben – Seite des Menschen.
      b) Kapitel 4,1-25: Grundsatz, auf dem Menschen gerechtfertigt werden können. Abraham, David, wir selbst erlangten Gerechtigkeit aus Glauben, nicht aus Werken.
      c) Kapitel 5,1-11: Ergebnis der Rechtfertigung aus Glauben: Frieden mit Gott, der bis zum Rühmen in Gott reicht.
  B. Kapitel 5,12 – 8,39: Das Evangelium in Beziehung zur innewohnenden Sünde – was ich bin.
    1. Kapitel 5,12 – 6,23: Zwei Geschlechter und zwei Häupter – Adam und Christus.
      a) Tod und Gericht in Adam.
      b) Gnade und Gerechtigkeit in Christus.
    2. Kapitel 6: Zwei Herren und zwei Arten Früchte.
      a) Zwei Herren: Sünde oder Gerechtigkeit («der Sünde für tot, Gott aber lebend»).
      b) Zweierlei Früchte: Unreinheit und Tod oder Heiligkeit und ewiges Leben.
    3. Kapitel 7: Zwei Ehemänner, zwei Naturen, zwei Gesetze.
      a) Zwei Ehemänner: das Gesetz und der auferstandene Christus.
      b) Zwei Naturen: das «Ich», das das Gute wünscht und das «Ich», das Böses tut – die Sünde in mir.
      c) Zwei Gesetze: das Gesetz des erneuerten Geistes, das sich am Gesetz Gottes erfreut und das Gesetz der Sünde.
      d) Die Befreiung vom Gesetz, von der alten Natur und dem Gesetz der Sünde findet sich in Christus.
    4. Kapitel 8: Völlige Befreiung und vollständiger Sieg in Christus.
      a) Verse 1-4: Keine Verdammnis in Christus Jesus
      b) Verse 5-27: Der Geist Christi im Gläubigen als die befreiende Kraft
      c) Verse 28-34: Gott für uns in jeder Hinsicht
      d) Verse 35-39: Keine Trennung von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist
II. Kapitel 9 – 11: Belehrungen über die Regierungswege Gottes. Erfüllung der Verheissungen Gottes an Israel. Sein Handeln mit Israel und den Nationen in Gnade.
  A. Kapitel 9: Gottes Handeln mit Israel in der Vergangenheit, in auserwählender Gnade. Prophezeiungen hinsichtlich Berufung der Nationen.
  B. Kapitel 10: Israel jetzt unwissend über die Gerechtigkeit aus Glauben und zur Eifersucht gereizt durch die glaubenden Nationen.
  C. Kapitel 11: Gottes gegenwärtiges und zukünftiges Handeln mit Israel und den Nationen gemäss der Prophetie.
III. Kapitel 12 – 16: Ermahnungen zur praktischen Gerechtigkeit.
  A. Kapitel 12,1 – 15,7: Der offenbarte Wille Gottes für den Wandel des Gläubigen.
    1. Kapitel 12: Ein Wandel in Hingabe und Absonderung, die Betätigung der Liebe im Dienst für einander.
    2. Kapitel 13: Die Beziehung des Christen zu den irdischen Regierungsgewalten.
    3. Kapitel 14: Grundsätze unseres Handelns untereinander – Christliche Freiheit, persönliches Gewissen und persönlicher Glaube.
    4. Kapitel 15,1-7: Christus unser Vorbild. Schluss der Belehrungen des Briefes.
  B. Kapitel 15,8-16,24: Persönliche Umstände, Pläne und Grüsse des Apostels und derer bei ihm.
  C. Kapitel 16,25-27: Lobpreis

So sieht eine Übersicht über den herrlichen Brief an die Römer aus. Diese Aufstellung will an einem Beispiel zeigen, wie von jedem Buch der Bibel eine Übersicht erstellt werden kann. Zweifellos hat jeder Leser, der dieser Übung sorgfältig gefolgt ist, ein besseres Verständnis der Besonderheiten und Belehrungen dieses Briefes erlangt. Wenn wir uns die Hauptgedanken einer solchen Zu­sam­men­stel­lung einprägen, werden wir ein lebendiges Bild dieses Buches im Gedächtnis bewahren.