Winke und Anregungen zum Bibelstudium (6)

6. Studium besonderer Gegenstände

Nachdem wir die wichtigsten Punkte des Bibelstudiums verfolgt haben: Tägliches Bibellesen, einprägen und auswendig lernen, Überblicke und Umrisse sowie Detailstudien, können wir uns mit dem Studium besonderer Gegenstände der Heiligen Schrift beschäftigen. Dabei wird man einen Begriff wie z.B. «Sünde» oder «Versöhnung» wählen und durch die ganze Bibel gehen, indem man alles sammelt und ordnet, was man in der Schrift über diesen speziellen Gegenstand findet.

Man könnte solche Studien damit beginnen, dass man zuerst eine möglichst vollständige Liste der Lehren zusammenstellt, die wir durch die ganze Bibel hindurch finden. Einige dieser Gegenstände sind in der folgenden Liste zusammengetragen:

Schöpfung, Engel, Mensch, Sünde, Satan, Errettung, die Person Christi, das Werk Christi, der Heilige Geist, die neue Geburt, ewiges Leben, ewige Sicherheit, Inspiration der Schriften, Heiligung, der Vater, Auserwählung, Vergebung, Rechtfertigung, Annahme als Söhne (Adoption), das Gesetz, das zweite Kommen Christi, Auferstehung, das Gericht, die ewige Strafe.

Jedes dieser Themen liefert ein lohnendes Betätigungsfeld und bringt dem viel Segen, der die Schriften untersuchen und herausfinden will, was das Wort darüber lehrt.

Bei der Betrachtung eines Gegenstandes mögen sich leicht Unterteilungen aufdrängen, unter denen das Thema überlegt werden kann. So könnte das Thema «die Person des Herrn Jesus» aufgeteilt werden in:

  1. Seine Gottheit
  2. Seine Menschheit
  3. Die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in einer Person
  4. Sein Leben auf dieser Erde
  5. Sein gegenwärtiges Leben

Sünde

Wir wollen unser Notizbuch zur Hand nehmen und als Beispiel für das Studium eines besonderen Gegenstandes den ernsten Begriff «Sünde» kurz aufgreifen. Als erstes wollen wir nicht einen systematischen Abriss anstreben, sondern die Punkte so notieren, wie sie uns ins Gedächtnis kommen. Natürlich wird man zuerst an den Sündenfall des Menschen im Garten Eden denken. Man wird erkennen, dass es Satan war, der den Menschen zur Sünde verleitete, und dass der äussere Ausdruck davon Ungehorsam gegen Gottes Gebot war. Die Wirkung der Sünde zeigte sich im Gefühl von Scham und Schuld, in ihrem Verstecken vor Gott und der Vertreibung aus Eden.

Man könnte fortfahren und die Sünde geschichtlich in der Familie Kains verfolgen und dann in Noahs Tagen, wo das Gericht durch die Flut folgte. Dann könnten wir ihr in der Geschichte Israels nachgehen und die Züchtigungen Gottes über das Volk feststellen. Wenn wir zu den Psalmen, Sprüchen und Propheten kommen, wird der weiterfliessende Strom von Ungerechtigkeit immer breiter. Im Neuen Testament werden die Wirksamkeit und der bittere Hass der Sünde gegen Gott während der Anwesenheit unseres Herrn auf der Erde sichtbar. Sie findet den Höhepunkt in der furchtbarsten Tat der Verwerfung und Kreuzigung des Sohnes Gottes.

Indem wir das Thema weiterverfolgen, kommen wir zu den verschiedenen Briefen und entnehmen ihnen die darin enthaltenen Grundsätze. In Römer 1 – 3 begegnen wir einer Liste verschiedenartiger Sünden und Verdorbenheiten, die unter den Heiden, den zivilisierten Nationen und den Juden gefunden werden. Das Urteil lautet: «Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.» Aus Römer 7 und 8 lernen wir, dass die Sünde im Menschen wohnt und dass sie Feindschaft gegen Gott ist. In Epheser 2 sehen wir, dass Sünde den moralischen Tod bedeutet: Der Mensch ist tot in Sünden und Vergehungen. Der erste Johannesbrief zeigt, dass Sünde die Gesetzlosigkeit ist. Und in der Offenbarung finden wir, wie sie sich erhebt zur vollen Höhe der Empörung gegen das Lamm Gottes, aber nur, um ihr ewiges Schicksal im Feuersee zu finden.

Nachdem wir uns die vorhergehenden Gedanken über dieses Thema notiert haben, können wir damit beginnen, unsere Feststellungen einzuteilen und eine etwas geordnete Aufstellung machen, z.B. unter folgenden Rubriken:

  1. Das Wesen der Sünde
  2. Ihre Wirkungen in Bezug auf Gott
  3. Ihre Wirkungen in Bezug auf den Menschen
  4. Ihre Früchte
  5. Ihr Gericht und ihre Bestrafung
  6. Das Heilmittel

Dieser letzte Punkt führt uns selbstverständlich zu anderen, gesegneteren Gegenständen wie die Sühnung und das Werk Christi.

Das ist eine kleine Illustration, wie man einem besonderen Gegenstand durch die ganze Bibel hindurch nachfolgen kann; sein Keim in den früheren Büchern und seine Entwicklung in den späteren, die Lehre darüber wie sie in den Briefen gefunden wird und endlich dessen Höhepunkt und Ende in der Offenbarung. Für die, die in der Schrift nicht so bewandert sind, wird eine Konkordanz eine hilfreiche Unterstützung sein bei der Verfolgung eines Gegenstandes durch die Bibel hindurch. Wir hoffen, dass der Leser hiermit sieht, was für ein endloses Betätigungsfeld fruchtbaren Studiums sich durch solche Untersuchungen besonderer Gegenstände eröffnet, und dass es ihm ein Herzensbedürfnis wird, sich in solche Untersuchungen des Wortes Gottes zu vertiefen.

Notizbücher

An dieser Stelle mag es gut sein, einige Bemerkungen über Notizbücher in Verbindung mit unseren verschiedenen Studienarten der Heiligen Schrift zu machen. Im englischen Sprachgebrauch kennt man den Ausdruck: «Reading makes full man; writing an exact man», was so viel heisst wie «das Lesen füllt, das Schreiben macht genau und sorgfältig». Die Gewohnheit des Niederschreibens der Ergebnisse unserer Studien und Betrachtungen ist überaus wichtig.

Es gibt nur wenige, die die Frucht ihrer Studien und Untersuchungen bleibend und genau in ihrem Gedächtnis behalten können. Wir stellen fest, dass Hunderte von Dingen unserem Gedächtnis entfliehen und verloren gehen. Und vieles behielten wir nur schwach und ungenau in Erinnerung, wenn wir es nicht schriftlich festnagelten. Durch das Aufschreiben unserer Studien werden wir sie besser in Erinnerung behalten, denn geistige Übung in Verbindung mit schreiben hilft mit zu dauerhafterem Einprägen ins Gedächtnis. Zudem können wir unser Gedächtnis jederzeit auffrischen durch das Nachlesen von dem, was wir während des Studiums notiert haben.

Was uns in den vorausgegangenen Kapiteln beschäftigt hat, wird uns schon die Notwendigkeit von Notizbüchern der einen oder andern Art gezeigt haben. Unsere Übersichtsstudie des Römerbriefes z.B. wird ein spezielles Notizbuch verlangen, in das wir die Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel und die Schlussübersicht des Buches eintragen können. Wir würden aber ein anderes für unsere Detailstudien des Kolosserbriefes und ein weiteres für die Untersuchung besonderer Gegenstände benötigen.

Es mag gut sein, zwei Garnituren von Notizbüchern zu haben. Ein handliches, das man jederzeit zur Stelle hat, um alles zu notieren wie es uns einfällt, und ein dauerhafteres, als Teil einer Reihe solcher Notizbücher, in das wir die Ergebnisse unseres Studierens geordneter und sorgfältiger aufschreiben können.

Das handliche Notizbuch trägt man in der Tasche, um bei jeder Gelegenheit Gesammeltes der göttlichen Wahrheit schnell niederzuschreiben. Wenn wir unser tägliches Kapitel lesen, kann etwas, das uns darin beeindruckt hat, sofort festgehalten werden. Übersichten von Kapiteln oder Versen, Fragen, die auftauchen; Gedanken, die unserem Herzen kostbar sind; alles kann darin notiert werden und später geordnet und bleibend in ein anderes Heft übertragen werden. Ein solches Notizbuch wird zu einem Tagebuch in göttlichen Dingen. Man erzählt, dass der eifrige Bibelkenner J.N. Darby die Gewohnheit hatte, solche Notizbücher zu füllen. Nach seinem Tod stellte man aus diesen vier Bände «Notes and Comments on Scripture» zusammen.

Eine gute Gewohnheit ist auch das Notieren von besonderen Gedanken, die man in der Wortverkündigung und in der Wortbetrachtung hört, oder in einer Betrachtung über Gottes Wort liest. Auch ein Notizbuch, in das man Illustrationen und Episoden aufschreibt, die sich auf das Evangelium oder auf Wahrheiten für den Christen beziehen, ist nützlich.