Winke und Anregungen zum Bibelstudium (9)

10. Vergleichende Studien

Bei dieser Art von Studium nehmen die vier Evangelien den hervorragendsten Platz ein. In ihnen finden wir das Leben und die Lehren unseres Herrn aufgezeichnet. Es ist interessant und nützlich, die Berichte der vier Evangelisten miteinander zu vergleichen und die verschiedenen Wege zu entdecken, in denen die einzelnen Begebenheiten und Belehrungen durch die inspirierten Schreiber dargestellt werden. Man findet, dass einige Geschehnisse und Unterweisungen des Herrn nur in einem Evangelium aufgeschrieben sind, und dass andere Ereignisse in den drei ersten, aber nicht im vierten zu finden sind.

Die vier Evangelien

Wir empfehlen den Lesern, die Evangelien zu studieren und die Begebenheiten und Belehrungen, die in Matthäus vorkommen, zu notieren, dann die in Markus, Lukas und Johannes. Es mag von Vorteil sein, zu diesem Zweck ein besonderes Notizbuch zu haben und unter dem Namen des Evangeliums die Ereignisse, Gleichnisse etc. niederzuschreiben, die darin enthalten sind. Dann kann man beginnen, die Evangelien zu vergleichen, diejenigen Begebenheiten festzuhalten, die in allen vier gefunden werden, solche, die in mehr als einem vorkommen und solche, die nur ein Evangelist erwähnt. Eine solche Aufstellung als Resultat vergleichender Studien wird zu einem deutlicheren Verständnis der verschiedenen Evangelien führen.

Man erkennt zum Beispiel, dass die Geburt des Herrn nur bei Matthäus und Lukas zu finden sind, und dass sogar diese zwei sehr verschiedene Darstellungen geben. Matthäus zeigt, dass der Herr Jesus in der Linie von Abraham und David geboren wurde und daher der wahre König Israels sein konnte. Lukas gibt mehr Einzelheiten und stellt ein äusserst menschliches Bild der Geburt des Menschen Christus Jesus vor. In diesem Evangelium wird auch sein Geschlechtsregister bis auf Adam zurückverfolgt; denn der Zweck der Schilderung von Lukas ist offensichtlich, Christus immer als den wahren Menschen vorzustellen, als Mensch unter Menschen. Gleicherweise findet man die Einzelheiten über die Versuchung Christi durch Satan nur bei Matthäus und Lukas. Markus erwähnt nur die Tatsache der Versuchung. Wir stellen auch fest, dass die ausführlichen Einzelheiten der sieben Gleichnisse des Reiches der Himmel nur in Matthäus 13 vorkommen. Markus und Lukas geben einige dieser Gleichnisse wieder, aber nur bei Matthäus finden wir alle. Das ergreifende Gleichnis des verlorenen Schafes, der verlorenen Münze und des verlorenen Sohnes steht nur in Lukas 15. So entdecken wir auch, dass das Johannes-Evangelium für sich selbst dasteht und ganz verschieden ist von den übrigen drei. Es enthält Begebenheiten und Belehrungen, die in keinem anderen Evangelium zu finden sind.

Es werden manchmal Versuche unternommen, die vier Evangelien in Einklang zu bringen und alle Geschehnisse und Unterweisungen, die in jedem Evangelium aufgezeichnet sind, zu einem ebenmässigen Ganzen zu verbinden. Das ist ein sehr schwieriger, ja unausführbarer Versuch. Er führt von der Absicht des Heiligen Geistes weg, der vier getrennte, aber vollkommene Berichte des Lebens unseres Herrn geben wollte. Wenn Gott im Sinn gehabt hätte, uns nur eine Schilderung zu geben, hätte Er uns die Aufzeichnung des Lebens und der Lehre des Herrn in dieser Form übermittelt. Stattdessen hat Er uns vier Berichte von vier Schreibern geschenkt. Und jeder von ihnen nimmt einen eigenen, von den anderen verschiedenen, Gesichtspunkt ein und verfolgt ein eigenes Thema durch das ganze Buch hindurch.

Es gibt keine Widersprüche in den Einzelheiten der Evangelien. Jeder Schreiber hat einen besonderen Gegenstand vor Augen, und die Anordnung der Themen und Einzelheiten, die aufgeschrieben oder wortlos übergangen werden, ist geleitet durch den Hauptzweck des Evangeliums. Alles ist in Übereinstimmung mit dem Hauptthema jedes Schreibers. Daher ist es lehrreich und nützlich, diese besonderen Merkmale jedes Evangeliums festzustellen, die Berichte zu vergleichen und den Standpunkt jedes Evangelisten zu entdecken, von dem aus er uns das Leben Christi vorstellt.

Für jene, die mit dem besonderen Thema und der Absicht des Geistes Gottes in jedem Evangelium nicht vertraut sind, wollen wir hier kurz wiederholen, worauf wir schon in Kapitel 5 hingewiesen haben.

Bei sorgfältiger Prüfung jedes Evangeliums finden wir, dass die klare Absicht und das Thema des Matthäus-Evangeliums die Vorstellung des Herrn Jesus Christus als König Israels, als dem verheissenen Messias ist. Durch das ganze Buch hindurch wird Er als der wahre König vorgestellt, aber von den Führern der Juden verworfen.

Das Markus-Evangelium macht uns mit Christus als dem unterwürfigen Diener bekannt, der vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein Gott und Menschen treu diente.

Im Lukas-Evangelium entdecken wir als beherrschendes Thema die vollkommene sündlose Menschheit Christi. Es ist der Mensch Christus Jesus, der vor uns steht, ein Mensch wie wir, ausgenommen die Sünde.

Wir spüren, dass das Johannes-Evangelium ganz verschieden ist von den übrigen drei, die manchmal die «synoptischen Evangelien» genannt werden. Der Herr Jesus wird in diesem Evangelium vom Anfang bis zum Schluss als der Sohn Gottes vorgestellt.

So werden wir durch vergleichende Studien der Evangelien und durch sorgfältiges Studium jedes einzelnen für sich, ein umfassenderes Verständnis der wunderbaren Person Christi und seines Lebens erlangen. Beim Vergleich der Evangelien werden wir auch feststellen, dass Markus uns die Ereignisse anscheinend in einer chronologischeren Reihenfolge schildert als andere, während Lukas mehr einer moralischen Ordnung folgt. Der eifrige Bibelleser wird beim Vergleich der Evangelien noch viele weitere interessante und gesegnete Dinge finden.

Die Bücher Könige und Chronika

Man kann auch die Bücher der Könige mit den Büchern der Chronika vergleichen und dabei die Unterschiede in den Geschichten feststellen, die vom gleichen König in der gleichen Zeitperiode der Geschichte Israels handeln. Ein sorgfältiges Studium wird zeigen, dass wir in den Büchern der Könige eine mehr allgemeine und offizielle Geschichte der Regierung Gottes in Israel haben, während wir in den Chroniken mehr die besondere Geschichte der Könige des Hauses Davids finden. In den Büchern der Chronika erscheint mehr die Gnade Gottes in Segnung. Es werden uns mehr Einzelheiten über die Erweckungen berichtet, die seine Gnade unter den Königen von Juda bewirkte, als sie uns in den Büchern der Könige aufgezeichnet sind. Auch seine Wege mit denen, die gemäss seiner Gnade David gegenüber in direkter Verbindung mit Ihm stehen, werden in Chronika unmittelbarer und inniger gesehen als in den Königen.