Die Wüstenwanderung (5)

4. Mose 11,1-3.13.18-20.30-34; 4. Mose 12,1-16

III. Das Murren und die Fallstricke

5. Mose 8,2 erklärt das «Warum» der Wüste: «Der HERR, dein Gott, dich hat wandern lassen diese vierzig Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist.» Das Volk wird so auf die Probe gestellt, um sich selbst kennenzulernen und um dadurch zum unvermeidbaren Schluss zu kommen, dass es das verheissene Land nur auf der Grundlage der Gnade betreten könne. Tatsächlich ist, wie wir früher gesehen haben, das höchste Ziel der Wüste nicht, «um dich zu demütigen und um dich zu prüfen», sondern vor allem «damit er dir Gutes tue an deinem Ende» (5. Mo 8,16).

Gott hatte für alles vorgesorgt: das Volk war versammelt um einen Mittelpunkt, die Bundeslade, die vor ihnen herzog in der Wüste; die Wolke war da, um sie zu führen, die Trompeten, um sie zu benachrichtigen (vgl. Ps 32,8). Jeden Tag sandte die göttliche Vorsehung ihnen das Manna; sie tranken aus einem «geistlichen Felsen», der ihnen nachfolgte. Elf Tagereisen (5. Mo 1,2) hätten genügt, um sie an die Grenze des Landes zu führen.

Warum so viele verlorene Jahre, von denen uns 4. Mose 33 die unzähligen Wegstrecken angibt? Von diesen hat die Schrift uns nichts als den Namen erhalten: es blieb davon nichts für Gott übrig; sie waren nur die Strafe für ihren Unglauben.

Die folgenden Kapitel werden uns die Beweggründe dieser Tragödie geben.

1. Die Klagen

(4. Mose 11,1-3)

«Das Volk beklagte sich.» Es wird uns keine Ursache dafür angegeben, keine Einzelheit; aber erkennen wir da nicht einen Umstand, der so häufig unter uns vorkommt? Nachdem man so viel empfangen hat, gibt es da noch Grund, sich zu beklagen? «Über seine Sünden beklage sich der Mann!» (Klgl 3,39). Wenn die eingetretene Schwierigkeit nur die Folge unserer Fehler ist, wäre es da nicht angebracht, sie demütig anzunehmen? Aber es gibt noch mehr: «Wer ist es, der sprach, und es geschah, ohne dass der Herr es geboten hat?» (Klgl 3,37). Lenkt unser Gott nicht jedes Geschehen im Leben der Seinen, indem Er ihr wahrhaft Bestes im Auge hat? «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken» (Röm 8,28).

Warum denn so oft diese Klagen, dieses Murren? Entweder passt uns das Wetter nicht, oder das Essen, oder die Umstände! Man macht es sich zur Gewohnheit, sich über alles zu beklagen, und das Leben wird trübselig. Dieser Geist des Klagens zerstört das Zeugnis und verunehrt den Herrn. «Freut euch allezeit», sagt der Apostel, aber er fügt sofort hinzu: «Betet unablässig; danksagt in allem» (1. Thes 5,16-18). Diese drei Verhaltensweisen sind miteinander verbunden: ohne Gebet, ohne Danksagen keine Freude. Im Verborgenen des Herzens liegt die Quelle der Freude im Herrn. «Ein fröhliches Herz ist ein beständiges Festmahl» (Spr 15,15).

Aber alles das verlangt Übung. Sogar der Apostel Paulus konnte schreiben: «Ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen» (Phil 4,11). Dem Timotheus sagt er: «Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit aber ist ein grosser Gewinn» (1. Tim 6,6). Der Brief an die Hebräer unterstreicht es: «Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: ‹Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen›» (Heb 13,5).

«Der HERR hörte es» (4. Mo 11,1; vgl. 12,2). Wir hätten diesen Klagen nur geringe Bedeutung beigemessen. Aber der Herr hört es und sein Zorn entbrennt. In seinen Regierungswegen trifft sein Gericht das Volk: Das Feuer des HERRN brennt unter ihnen. Das Volk schreit, Mose tritt für sie ein, der Brand legt sich. Aber da ist kein Selbstgericht, kein Bedauern, keine Reue. Muss es da erstaunen, dass in den folgenden Versen das Murren wieder aufkommt und zunimmt?

2. Die Lüsternheit

(4. Mose 11,4-10.13.18-20.30-34)

Viel Mischvolk war mit Israel aus Ägypten heraufgezogen (2. Mo 12,38). Wie immer in ähnlichen Fällen, wenn sich in die Mitte des Volkes Gottes andersartige Elemente eingemischt haben, wird sich ihr Einfluss unweigerlich bemerkbar machen. «Und das Mischvolk, das in ihrer Mitte war, wurde lüstern.» Die Israeliten hatten mit solchen Leuten nichts zu tun, und sie hätten sie nicht aufnehmen sollen. Nachdem es aber so ist, stehen sie unter deren Einfluss und fangen selbst wiederum an zu weinen, indem sie sagen: «Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir erinnern uns an die Fische, die wir in Ägypten umsonst assen …» (V. 4,5). Nicht nur Klagen dieses Mal, sondern Tränen (V. 10,13,18). Hatten sie es demnach so gut in Ägypten? (2. Mo 5,13!) Man fand dort – das Volk behauptet es wenigstens – sechs Nahrungsmittel (V. 5), wie in Assyrien (2. Kön 18,32), während es «im Land» deren sieben gibt (5. Mo 8,8), Zahl der göttlichen Fülle im Gegensatz zur Unzulänglichkeit des Menschen (sechs). Aber man benötigt Gründe, um das Murren zu rechtfertigen, auch wenn sie wertlos oder irrig sind. Wie leicht sucht man Vorwände, wenn man den Geschmack am Wort Gottes verliert («Gar nichts ist da, nur auf das Man sehen unsere Augen»), um sein Wegbleiben von den Zusammenkünften und das Zuwenig an Zeit, die man sich für das Hören der Stimme des Herrn nimmt, zu rechtfertigen. Das Verlangen des Herzens wendet sich der Welt, den Dingen der Welt zu: «Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm» (1. Joh 2,15).

Die Lüsternheit führt zum Verlangen nach dem, was man nicht hat, was Gott in den Umständen, in denen man sich befindet, nicht gegeben hat. Sie führt auch dahin, das zu verachten, was Gott gibt. Das Manna, dessen Geschmack wie Kuchen mit Honig war, hat jetzt den Geschmack von Ölkuchen und wird später nur noch eine elende Speise sein (2. Mo 16,31; 4. Mo 11,8; 21,5). Seien wir auf der Hut! Für uns handelt es sich nicht darum, eine irdische Speise zu verachten – obwohl man es oft tut! – sondern das himmlische Manna, Christus, das lebendige Brot aus dem Himmel (Joh 6), gering zu achten. Denken wir an die allzu Zahlreichen in unseren Tagen, die keine Bibeln besitzen und sich bemühen, einige von hier und da ausgeliehene oder von einem entfernten Sender gehörte Seiten abzuschreiben. Das ist die eine von den durch den Propheten angekündigten Nöte: «Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, HERR, da werde ich einen Hunger in das Land senden, nicht einen Hunger nach Brot und nicht einen Durst nach Wasser, sondern die Worte des HERRN zu hören. Und sie werden umherschweifen von Meer zu Meer und vom Norden bis zum Osten; sie werden umherlaufen, um das Wort des HERRN zu suchen, und werden es nicht finden» (Amos 8,11.12).

Wenn wir feststellen, dass unser Interesse am Wort abgenommen hat, sollten wir die Dinge nicht in diesem Zustand lassen. Unsere Gemeinschaft mit dem Herrn steht auf dem Spiel; sie ist vielleicht unterbrochen worden. Suchen wir Ihn wieder auf! Nehmen wir uns Zeit – einige Stunden oder einige Tage, wenn nötig abseits in der Stille – um zu beten und unsere Wege vor Ihm zu prüfen, damit Er uns wiederherstelle und uns den Geschmack an seinem Wort, der verloren ging, wiederfinden lasse.

Wachen wir auch über alles, womit wir unseren Geist nähren. Ohne Zweifel sind viele Dinge an sich nützlich und förderlich an ihrem Platz, aber wenn wir in dem, was wir lesen, hören und sehen, Dinge bemerken, die unser Herz gefangen nehmen und den Platz des Herrn und seines Wortes einnehmen, dann lasst uns die Kraft haben, darauf zu verzichten. «Gebt acht, dass nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführt … nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt» (Kol 2,8). Wie viele junge Leute, Jungen und Mädchen, die doch eifrig für den Herrn schienen, haben sich von den Dingen Gottes abbringen lassen, sei es durch intellektuellen Zweifel, den sie durch ihren Lesestoff und andere Unterweisungen der Menschen nach und nach in sich aufgenommen haben, sei es durch die Begierden des Fleisches, die sie gefördert haben durch alles, was sie sahen und hörten und das sie hätten «fliehen» müssen (2. Tim 2,22). Alles das hat dem Herzen nicht die tiefe Befriedigung verschafft, die nur die Gemeinschaft mit dem Herrn geben kann, der gesagt hat: «Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird niemals dürsten» (Joh 6,35).

Ungeachtet des Murrens und der Verschmähung durch sein Volk, blieb Gott treu: «Und wenn nachts der Tau auf das Lager herabfiel, so fiel das Man darauf herab» (V. 9). In moralischer Hinsicht war es Nacht, aber der Tau fiel trotzdem herab und das Manna auch. Jeden Tag dieser langen Wanderung, jeden Morgen war es da zur Verfügung. Es hörte erst am folgenden Tag nach ihrem Einzug in das Land Kanaan auf (Jos 5,12), um durch das Getreide des Landes ersetzt zu werden.

Schliesslich gibt Gott seinem Volk das, was das Fleisch fordert, und offenbart so seine Macht. Aber das Ergebnis ist nur Ekel davor: «Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seele» (Ps 106,15). Mit welch unbeherrschtem Eifer häuften die Leute die Wachteln auf: «Und das Volk machte sich auf, jenen ganzen Tag und die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag, und sie sammelten die Wachteln; wer wenig gesammelt hatte, hatte zehn Homer (ungefähr zwei Tonnen!) gesammelt.» «Wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten» (Gal 6,8). Was geschah nach wenigen Tagen mit diesen Ansammlungen von Wachteln unter der brennenden Hitze der Wüste? «Und man gab jenem Ort den Namen Kibrot-Hattaawa: Gräber des Gelüsts.»

«Wenn du Gott für alle Freuden, die Er dir gibt, danken wolltest, hättest du keine Zeit mehr, dich zu beklagen.»

3. Eifersucht und üble Nachrede

(4. Mose 12)

Mirjam war die Älteste der drei Geschwister. Als junges Mädchen hatte sie auf den kleinen Mose aufgepasst (2. Mo 2,4.7). Sie war eine Prophetin (2. Mo 15,20). Fürchtete sie durch die Rückkehr von Zippora aus ihrem Einflussbereich verdrängt zu werden? (vgl. 2. Mose 18,5 und 4. Mose 12,1). Wie dem auch sei, sie gewinnt Aaron für ihre Unzufriedenheit, und alle beide sprechen gegen Mose: «Hat der HERR nur mit Mose allein geredet? Hat er nicht auch mit uns geredet?» (V.2). Die «kuschitische Frau» diente als Vorwand, der tiefe Beweggrund aber, war es nicht die Eifersucht? Schliesslich war Mose nur der Jüngste; sein Bruder und seine Schwester wollten gern glauben, dass Gott durch ihn geredet hatte, aber auch durch sie. Sie hatten Mühe, den wachsenden Einfluss anzunehmen, den Gott seinem Diener verlieh, während sie doch den Platz der Autorität, den Er ihm anvertraut hatte, hätten anerkennen müssen.

Ist es nicht auch unter uns oft so? Aus Eifersucht und Verdruss beginnt man schlecht von diesem oder jenem Bruder zu reden, sogar von einem Diener des Herrn. Ohne so weit zu gehen wie diese zwei, findet man Gefallen an übler Nachrede, etwas tatsächlich Schlechtes weiterzusagen, mit dem Ziel, denjenigen, der dies verübt hat, in den Augen seines Gesprächspartners herabzuwürdigen. Man geht zuweilen bis zur Verleumdung, indem man Falsches erzählt oder stark übertreibt. Das angerichtete Unheil ist nicht wiedergutzumachen. Nachdem man sich vor dem Herrn gedemütigt hat, wird man sich wohl gegenüber seinem Gesprächspartner entschuldigen können (ganz sicher nicht im Beisein dessen, dem man Übles nachgesagt oder den man verleumdet hat, ausser wenn er davon wusste. Das würde ihn noch mehr schmerzen). Man wird ihn bitten, die Sache zu vergessen. Aber in der Zwischenzeit wird sich das Böse zweifellos schon ausgebreitet und sein Werk getan haben. Drei Dinge, sagt das arabische Sprichwort, können nicht zurückgehalten werden: Der Pfeil, der fliegt, das ausgesprochene Wort und die vergangene Zeit. Jakobus warnt: «Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge … dessen Gottesdienst ist nichtig» (Jak 1,26). Denken wir auch an den Eindruck, den es auf unsere Kinder macht, die zu Hause zu oft übles Nachreden und Kritik hören.

3. Mose 19,16 drückt es klar aus: «Du sollst nicht als ein Verleumder unter deinen Völkern umhergehen.» Der Apostel Petrus unterstreicht den ganzen Ernst davon: «Legt nun ab … alles üble Nachreden, und … seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch … wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist» (1. Pet 2,1-3). Scheint dieses «wenn ihr wirklich» nicht zu bezweifeln, dass man die Güte des Herrn geschmeckt haben könne, wenn man sich der üblen Nachrede hingibt? Sie beginnt zuerst im Herzen, in den Beschwerden, die man gegen diesen oder jenen nährt, oder in der Wichtigkeit und Bedeutung, die man sich selbst zuschreibt. Dann weiss der Feind so gut, die günstige Gelegenheit herbeizuführen, wo das böse Wort ausgesprochen wird. Man wird damit prahlen, dass man «auf dem Laufenden sei». Zu oft redet man übel von anderen Leuten, weil einem ein Gesprächsthema fehlt. Und solche «Offenbarungen» sind wie «Leckerbissen» (Spr 26,22) für die, die sie hören! «So ist auch die Zunge ein kleines Glied», sagt Jakobus, «… ein kleines Feuer, welch einen grossen Wald zündet es an!» (Jak 3,5). In Psalm 15 wird dem, der mit seiner Zunge nicht verleumdet, eine Verheissung gemacht: er wird im Zelt des HERRN weilen. Gesegnete Gemeinschaft mit seinem Herrn für den, der über seine Lippen wacht! David flehte: «Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein!» (Ps 19,15). Die Vorsätze und der äussere Zwang sind keine genügende Hilfe: Die Zunge lässt sich nicht bändigen. Es ist das Innere, das geändert, erneuert, verwandelt werden muss. Wir müssen die schlechten Gedanken, die uns verleiten, übel von unserem Bruder zu reden oder ihn gar zu verleumden, verurteilen, wenn sie noch in uns sind.

Mose, als Gegenstand der üblen Nachrede seines Bruders und seiner Schwester, schweigt. Aber «der HERR hörte es». Er ruft die drei zum Zelt der Zusammenkunft. Dann lässt Er Aaron und Mirjam allein vor Ihn treten. Er verteidigt seinen Diener, der treu ist in seinem ganzen Haus, mit dem Er von Mund zu Mund redet und der das Bild des HERRN schaut: «Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht, gegen Mose, zu reden? Und der Zorn des HERRN entbrannte gegen sie … und siehe, Mirjam war aussätzig wie Schnee; und Aaron wandte sich zu Mirjam, und siehe sie war aussätzig.» Die Prophetin, die zum Lob des HERRN gesungen hatte, sollte von nun an aus dem Lager ausgeschlossen werden und so ihr Leben fristen, bis der Tod sie von ihrer entsetzlichen Krankheit erlöste.

Welch eine ernste Züchtigung! Gott nimmt diese Dinge nicht leicht. Das Gewissen von Aaron und Mirjam regt sich. Sie tun Buße. Sie bekennen ihre Sünde, durch die sie töricht gehandelt haben. Aaron, obwohl Priester, ist nicht mehr in der Lage, für seine Schwester zu beten. Auf seine inständige Bitte öffnet Mose, zum ersten Mal in unserem Abschnitt, seinen Mund und schreit zum HERRN, ohne irgendeinen heimlichen Groll: «O Gott, bitte, heile sie doch!» Aber die Zucht muss ihren Weg gehen. Mirjam wird wiederhergestellt werden, obwohl sie sich zuerst, aus dem Lager ausgeschlossen, «sieben Tage lang schämen» muss. Das ganze Volk ist deswegen mit ihr in Mitleidenschaft gezogen: Sie brechen nicht auf, bis Mirjam wieder aufgenommen wird.

«Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht zu reden?» Widerhallt dieses Wort nicht auch in den Ohren unseres Gewissens? Ohne Zweifel hat jeder Diener des Herrn seine Fehler und Mängel (Jak 3,1). Aber das ist kein Grund, sie hervorzuheben, sie herauszustreichen und sich ihrer gegen ihn zu bedienen. Im Gegenteil, die Liebe deckt die Fehler der anderen zu, sie redet davon zum Herrn, damit Er eingreife und zurechtbringe. Sie spricht, wenn sie in besonderen Fällen dazu geführt wird, direkt mit dem Betreffenden. Übel von den Dienern Gottes oder von unseren Brüdern zu reden, welche immer es sein mögen, kann nur die Zucht des Herrn auf uns ziehen, indem es die Gemeinschaft mit Ihm stört, unseren Dienst «vergeblich» macht, Dürre in der Seele erzeugt und oft sehr bittere Früchte.

Sollten wir diese Sünde der üblen Nachrede, die wir so leicht begehen, nicht viel mehr zu Herzen nehmen? Auch die nachteiligen Bemerkungen, die ein anderer zu uns macht, nicht annehmen oder wie jener Bruder, vor dem man einen anderen kritisierte, antworten: «Ich gehe gleich, um mit ihm darüber zu sprechen». Der Gesprächspartner wird mich sofort bitten, in dieser Sache nichts zu unternehmen! Im Selbstgericht sollten wir die Gründe suchen, die uns zur üblen Nachrede geführt haben, sie wirklich vor Gott verurteilen und wenn nötig die Beschämung und die notwendige Berichtigung annehmen.