Die Wüstenwanderung (8)

4. Mose 25,1-5; 4. Mose 32,1-8.14-19.23-27; Josua 1,12-16; Josua 22,9.19.24; Offenbarung 2,14

8. Hurerei

(4. Mose 25,1-5; Offenbarung 2,14)

Eine düstere Seite im Wort Gottes, jedoch geschrieben, damit sie uns zur Warnung diene. Mehr als in jedem anderen Bereich ist hier die Ermahnung von Bedeutung: «Wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.» Sagen wir nie: «Das würde mir nicht passieren.» Man benötigt da die ganze Macht Gottes und ebenso die Wachsamkeit, um sich nicht leichtfertig in ausweglose Umstände einzulassen.

Israel war an der letzten Wegstrecke der Reise angekommen. Es lagerte in Sittim, von wo es mit Josua im Begriff stand, sich aufzumachen, um den Jordan zu überqueren. Trotz all der schweren Verfehlungen und Verirrungen des Weges hatte Satan nicht vermocht, das Volk zu vernichten, noch Gott dahin zu bringen, dass Er gezwungen war, es ganz zu verurteilen. Die Verwünschungen Bileams, die er um eine Belohnung aussprechen wollte, hatten sich in Segnung verwandelt. Was konnte dieser böse, vom Feind angestiftete Mann sich ausdenken, um das Volk Gottes ins Verderben zu stürzen und den begehrten Lohn zu verdienen? «Bileam lehrte den Balak, einen Fallstrick vor die Söhne Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben» (Off 2,14). In 4. Mose 25 ist der Prophet gar nicht erwähnt, aber im Dunkeln legte er seine Falle. Vergessen wir nicht, dass der Feind sich bis heute nicht geändert hat.

«Das Volk fing an …» Wie begann es? Sie nahmen die Einladung der moabitischen Mädchen zur Teilnahme an ihren Festmahlen an. Sie gingen mit ihnen; «und das Volk ass und beugte sich nieder vor ihren Göttern. Und Israel hängte sich an Baal-Peor». Die anfängliche Einladung schien sehr angenehm, aber der Weg hat schnell zum Abgrund geführt.

Nehmen wir uns vor den Einladungen der Welt in Acht. Dina, die Tochter Jakobs, gedachte bei den Töchtern Sichems nur einen Höflichkeitsbesuch zu machen (1. Mo 34). Wie schnell wurde sie und der, in dessen Augen sie Gefallen gefunden hatte, seine ganze Stadt und ihre eigene Familie ins Unglück gerissen!

Der Zorn des HERRN entbrennt gegen Israel. Die Häupter des Volkes müssen vor Ihm gehängt werden. Die Richter müssen ihre Leute erschlagen, die sich zum Baal-Peor geneigt haben. Pinehas durchsticht die unreine Frau und den Fürsten aus Simeon, der das Volk verführt hatte. Derer, die an der Plage starben, waren 24'000. Kein Bund mehr mit Midian, sondern Krieg (V. 17 und 4. Mo 31)!

Der betroffene Stamm Simeon (4. Mo 25,14) sah sich reduziert, – bei der zweiten Zählung (26,14) waren es noch 22'200 Männer gegenüber 59'300 am Sinai – und das hatte die schwerwiegende Folge: «den Wenigen sollst du ihr Erbteil mindern» (4. Mo 26,54). Wenn wir an die «Krone» denken, an die verheissene Belohnung im Himmel für die, die treu sind, dann unterstreicht ein solches Beispiel ihren ganzen feierlichen Ernst.

Werden wir sagen, dass die Dinge sich heute geändert haben, dass die Beziehungen zwischen jungen Männern und Mädchen nicht mehr die gleichen sind, dass man ruhig so handeln kann, wie die anderen? Epheser 5,6 ist über diesen Gegenstand ganz entschieden: «Niemand verführe euch mit eitlen Worten (indem er euch glauben macht, dass dieses Tun nicht so schwerwiegend sei); denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams.» Auch unter der Gnade hat sich die Heiligkeit Gottes nicht verändert. In der Fortpflanzung des Lebens, die an ihrem Platz vollkommen natürlich ist, soll ihr heiliger Charakter bewahrt bleiben.

Sprüche 5,3-14; 6,24-35 und 7 geben uns wichtige Warnungen auf diesem Gebiet, die es festzuhalten gilt. Es ist nicht ohne Grund, dass die Schrift den jungen Mann vor der «Fremden» warnt. Am Anfang ist alles süss wie Honig, aber das Ende «ist bitter wie Wermut». Der Feind ist gewandt. Da, wo es ihm nicht gelingt, das Herz durch Hochmut oder Mutlosigkeit vom Herrn wegzuwenden, da wo man wachsam war gegenüber dem Murren, Klagen oder üblem Nachreden, weiss er immer noch ein Mittel anzuwenden. Deshalb: «Halte fern von ihr deinen Weg und nähere dich nicht der Tür ihres Hauses.» Die «Erfahrung», die an einem Abend des Müssiggangs so harmlos geschienen hat, kann viel weiter mitreissen, als man auf den ersten Blick glaubte. Nachher ist man geknechtet! Man hat es oft gesehen: das Vermögen dient zur Sättigung der Fremden (Spr 5,10); der von der Krankheit befallene Leib «schwindet dahin» (V. 11) und es folgen viele bittere Selbstanklagen, dass man «nicht gehört hat auf die Stimme der Unterweiser» und sich eingelassen hat «in alles Böse inmitten der Versammlung und der Gemeinde» (V. 12-14).

Welch einen schönen Gegensatz stellen uns die Verse 15-19 von Sprüche 5 vor! Denn Gott wünscht die Freude der Seinen. Glücklich, wer eine Familie gründen kann mit der Frau, die er aus der Hand des Herrn empfangen und für die er sich rein bewahrt hat.

9. Die geteilten Herzen

(4. Mose 32,1-8.14-19.23-27; Josua 1,12-16; 22,9.19.24)

Der Bericht, den das Wort uns über die Stämme Ruben und Gad erhalten wollte, ist das Bild einer der zeitgemässesten Gefahren, die unsere Familien bedrohen.

Diese Stämme besassen zahlreiche Herden. Sie stellen fest, dass das Land Gilead günstig ist für die Herden. Warum sollte man sich nicht hier niederlassen? Übrigens, hatte der HERR dieses Land nicht vor der Gemeinde Israel geschlagen? Ohne Ihn um Rat zu fragen, wird daraus geschlossen: «So möge dieses Land deinen Knechten zum Eigentum gegeben werden; lass uns nicht über den Jordan ziehen!» (4. Mo 32,5).

Welches waren die Folgen einer solchen Wahl? Gad und Ruben liefen Gefahr, die Kinder Israel zu entmutigen, um nicht in das Land hinüberzuziehen, das der HERR ihnen gegeben hatte (V. 7). Das wurde zu einer Gefahr für das ganze Volk (V. 15). Sie ziehen den halben Stamm Manasse mit sich fort. Da die Männer der zweieinhalb Stämme, die im diensttauglichen Alter sind, sich verpflichten an der Eroberung teilzunehmen, müssen sie ihre Familien in Gilead unterbringen und von ihnen während Jahren getrennt bleiben: «Unsere Kinder, unsere Frauen, unsere Herden und all unser Vieh sollen dort in den Städten Gileads bleiben; deine Knechte aber, alle zum Heer Gerüsteten, werden vor dem HERRN hinüberziehen in den Kampf.»

So überqueren nur die Väter den Jordan und erleben die Eroberung. Sie kämpfen an der Seite ihrer Brüder und gehen bis zum Ende dessen, was ihnen obliegt (Jos 22,3). Aber der Feind hat es fertiggebracht, sie von den Familien zu trennen! Die Frauen, die Kinder, die jungen Leute, die in Gilead blieben, haben nie mit der Bundeslade den Jordan durchschritten und haben die Wechselfälle des Sieges nicht erlebt. Wohl eingerichtet jenseits der Grenze, erfreuen sie sich der Segnungen der göttlichen Vorsehung, und das ist alles!

Wie steht es heute damit? Gibt es nicht zwei Arten von Christentum? Ein «teilweises», das die Fürsorge Gottes schätzt, seinen Beistand, seine Hilfe, seinen irdischen Segen, was dem Leben in der Wüste oder dem in Gilead entspricht. Man ist glücklich, gerettet zu sein, die Wohltaten von oben zu erfahren. Aber man hat sich nie Gott ausgeliefert, «als Lebende aus den Toten» (Röm 6 und 12). Man hat keine Ahnung von der Bedeutung der Ermahnung des Herrn Jesus: «Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes».

Das wahre christliche Leben umfasst auch das, was der Jordan und das Land vorbilden. Durch den Glauben verstehen und erfassen wir unseren Tod und unsere Auferstehung mit Christus, dieses neue Leben, Leben in Überfluss, das nur durch den Glauben ausgelebt werden kann, indem wir die von Gott geschenkten geistlichen Segnungen in Besitz nehmen. Es wird Kampf und Übungen geben, aber man wird lernen, mit Christus auferweckt zu sein, die Dinge zu suchen und an die Dinge zu denken, die droben sind. Man wird verstehen, dass man ein unverwesliches, unverwelkliches Erbteil in den Himmeln hat, aufbewahrt für uns. Man wird ins Heiligtum gehen können, dahin, wo die Bundeslade ist, und anbeten.

In Josua 22 kommt der ernste und entscheidende Augenblick. Die Väter haben an der Seite ihrer Brüder gekämpft und erobert. Werden sie jetzt weggehen, um sich wieder mit ihren Familien in Gilead zu vereinigen, «weg von den Kindern Israel, von Silo, das im Land Kanaan ist, um in das Land ihres Eigentums zu ziehen» (Jos 22,9)? Oder werden sie ihre Familien, die bis dahin in Gilead weilten, nach Kanaan kommen lassen, gemäss der Ermahnung von Pinehas: «Kommt herüber in das Land des Eigentums des HERRN, wo die Wohnung des HERRN weilt, und macht euch ansässig in unserer Mitte» (V. 19)? Aber wie das nur zu oft vorkommt: es sind nicht die Väter, obwohl «geistlicher», die sich gegenüber der Familie durchgesetzt haben, sondern die Familie hat die Oberhand über die Väter gewonnen!

Diese kehren nach Gilead zurück. Aber sie fühlen die Gefahr, die ihren Kindern droht, sehr wohl. Sie errichten am Ufer des Jordans einen Altar, gross von Ansehen, nicht um Opfer darauf darzubringen, sondern um zu zeigen, dass sie die Formen des Gottesdienstes des HERRN festhalten (V. 26,27). Man gibt das Wort nicht vollständig auf; man liest es noch, man betet am Tisch, man wird gelegentlich den Gottesdienst besuchen, aber das Herz ist nicht mehr dort, die geistliche Lebenskraft lässt nach. Eine oder zwei Generationen gehen darüber, und was bleibt übrig?

Es ist uns nicht möglich, unseren Kindern das ewige Leben zu geben, das ist das Werk Gottes. Aber wir können durch unser Verhalten, durch unser Streben nach den Dingen der Welt, durch den Mangel an Zuneigung zum Herrn, Hindernisse sein für diese göttliche Tätigkeit. Die Kinder sehen sehr gut, ob die Eltern «das Land schätzen».

Was die Jungen betrifft, mögen sie sich daran erinnern: Es ist nicht die Erziehung eines christlichen Elternhauses, die bewirken wird, dass sie «den Jordan überqueren». Jeder muss diese Entscheidung für sich selbst treffen, im Blick auf den Herrn; der Bundeslade folgend, den Todesfluss durchschreiten. Wenn es nicht bei jedem Glied jeder Generation eine geistliche Erneuerung gibt, bleibt bald nichts mehr als Tradition und Form, die ausgewischt werden.