Der Brief an die Epheser (8)

Epheser 3,14-21

Das Gebet, dass diese Wahrheiten im Gläubigen ihr Ziel erreichen möchten

Verse 14-21

Die grossen Wahrheiten, die in diesem Kapitel enthüllt werden, führen natürlicherweise zum zweiten Gebet des Apostels. Im zweiten Kapitel des Briefes hatte der Apostel die grosse Wahrheit vorgestellt, dass die Gläubigen aus den Juden und den Nationen, zusammen aufgebaut, die Behausung Gottes bilden. Im dritten Kapitel hat der Apostel die Wahrheit des Geheimnisses vorgestellt, indem er gezeigt hat, dass die Gläubigen, sowohl aus den Juden als auch aus den Nationen, auf einen völlig neuen Boden gestellt sind und in Christus gemeinsam einen Leib bilden. Wir lernen weiter, dass dieses Geheimnis enthüllt worden ist, um jetzt die mannigfaltige Weisheit Gottes zur Schau zu stellen, nach dem ewigen Vorsatz, den Gott gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn (V. 10,11).

Mit diesem grossen Ziel vor Augen, wendet sich der Apostel im Gebet an den Vater mit der Bitte, dass die Heiligen sich im rechten geistlichen Zustand befinden möchten, um in diese Fülle Gottes einzugehen. Im Lauf des Gebets sehen wir, dass in Bezug auf die Gläubigen alle göttlichen Personen tätig sind, um diesen geistlichen Zustand in ihnen herbeizuführen. Der Vater ist die Quelle allen Segens, der Geist stärkt uns, damit der Christus in uns wohne, um uns mit der Fülle Gottes zu erfüllen, damit Gott jetzt und in allen kommenden Zeitaltern in den Heiligen verherrlicht werde.

Vers 14

Das Gebet hat den ewigen Vorsatz im Auge, den Gott «gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn», und ist gerichtet an «den Vater», der die Quelle dieser ewigen Ratschlüsse ist. Deshalb werden in dem Gebet weder Tod noch Auferstehung erwähnt. Die ewigen Ratschlüsse wurden alle festgesetzt, bevor der Tod auftrat, und die vollständige Erfüllung dieser Ratschlüsse, auf die das Gebet gerichtet ist, erfolgt in einer Sphäre, wo der Tod niemals Zutritt hat.

Vers 15

Im Gedanken an diese neue Sphäre der Herrlichkeit wird uns gesagt, dass in dieser kommenden Welt des Segens jede Familie im Himmel und auf der Erde von dem Vater benannt werden wird. In der ersten Schöpfung wurden alle Tiere vor Adam gebracht, der ihnen Namen gab, die die unterscheidenden Merkmale jeder Familie (Tierart) hervorheben. In Verbindung mit den ewigen Ratschlüssen für die neue Schöpfung wird jede Familie im Himmel und auf der Erde – die Engel, die Versammlung im Himmel, die Heiligen auf der Erde – von dem Vater benannt. Und so wird jede Familie ihren unterschiedlichen Charakter haben, gemäss den ewigen Ratschlüssen Gottes.

Das Gebet bezieht sich also auf alles, was im ewigen Zustand ans Licht kommen wird, entsprechend den Ratschlüssen Gottes, gefasst vor Grundlegung der Welt – eine Szene, in der der Vater die Quelle, der Sohn der Mittelpunkt von allem ist und jede Familie im Himmel und auf der Erde eine besondere Herrlichkeit des Vaters zur Schau stellt.

Vers 16

Die erste Bitte ist, dass der Vater uns gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit mit Kraft gestärkt zu werden durch den Heiligen Geist am inneren Menschen. Der Apostel sagt nicht «nach dem Reichtum seiner Gnade», wie in Kapitel 1,7, sondern «nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit», weil das Gebet nicht in Verbindung steht mit der Befriedigung unserer Bedürfnisse, sondern vielmehr mit der Erfüllung der Ratschlüsse des Herzens des Vaters.

Im Gebet des ersten Kapitels ist die Bitte, dass wir die Kraft Gottes an uns kennen möchten; hier bittet der Apostel um Kraft, damit wir am inneren Menschen gestärkt werden. Der äusserliche Mensch ist der sichtbare, natürliche Mensch, durch den wir mit den Dingen dieser Welt in Verbindung stehen. Der innere Mensch ist der unsichtbare, geistliche Mensch, gebildet durch das Werk des Heiligen Geistes in uns, durch den wir in Kontakt sind mit den unsichtbaren, ewigen Dingen. So wie unser äusserer Mensch mit stofflichen Dingen dieses Lebens gestärkt werden muss, so benötigt der innere Mensch, durch den Geist gestärkt zu werden, um in die geistlichen Segnungen der neuen Welt der Ratschlüsse Gottes eintreten zu können.

Vers 17

Die zweite Bitte ist, dass der Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne. Die erste Bitte führt zur zweiten; denn nur wenn wir durch den Geist gestärkt sind, wird Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnen. Die Wirkung des Geistes, der vom Vater gekommen ist und in unseren Seelen tätig ist, wird sein, dass wir erfüllt werden mit den Gedanken des Vaters über Christus, um mit dem Vater über den Sohn nachzudenken.

Der Apostel bittet nicht, dass wir gestärkt werden möchten, um Wunder zu vollbringen oder irgendein schwieriges Werk zu unternehmen, sondern dass in unseren Seelen ein geistlicher Zustand bewirkt werde durch Christus, der durch den Glauben in unseren Herzen wohnt. Die Macht der uns umgebenden Welt, die des Fleisches in uns und die des Teufels gegen uns, sind so gross, dass Christus nur dann seinen wahren Platz in unseren Herzen haben kann, wenn wir durch den Geist an dem inneren Menschen gestärkt werden.

Zudem ist hier die Bitte, dass der Christus in unseren Herzen «wohne». Wir sollen Ihn nicht als Besucher behandeln, der bei besonderen Gelegenheiten gastlich aufgenommen wird, sondern als den Einen, der einen bleibenden Wohnplatz in unseren Herzen hat. Das kann nur durch Glauben geschehen, denn der Glaube schaut auf zu Christus; und so wie Er unser Blickfeld ausfüllt, wird Er einen Wohnplatz in unseren Herzen haben. Der Eine, der der Mittelpunkt der Ratschlüsse Gottes ist, wird so zum Mittelpunkt unserer Gedanken. Wie jemand gesagt hat: «Der höchste Gegenstand für Gott wird dadurch auch der höchste Gegenstand für uns.» Welch ein Zeugnis für Gott wäre jeder von uns, wenn unser Leben von einem uns fesselnden Gegenstand regiert würde, und dieser Christus wäre! Zu oft gleichen wir einer Martha, die sehr beschäftigt war «mit vielem Dienen» und «besorgt und beunruhigt um viele Dinge». «Eins aber ist nötig»: Christus als das einzige Ziel unseres Lebens zu haben. Dann wird der Dienst und alles andere ohne Sorge und Unruhe folgen. Möchten wir wie Maria dieses «gute Teil» erwählen.

Die Folge des Wohnens Christi in unseren Herzen ist, dass wir in Liebe gewurzelt und gegründet werden. Wenn Christus, der Eine, in dem und durch den alle Liebe des Vaters kundgemacht worden ist, in unseren Herzen wohnt, wird Er das Herz sicher mit einer Erkenntnis und einem Genuss der göttlichen Liebe füllen.

Vers 18

Wenn Christus im Herzen wohnt, bereitet das den Weg für die dritte grosse Bitte, nämlich, dass wir «völlig zu erfassen vermögen, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei». Gott belehrt uns durch unsere Zuneigungen, so dass der Weg, dies zu erfassen, nicht nur durch den Glauben geschieht, sondern durch unser Gewurzelt- und Gegründetsein in Liebe. Durch das Werk des Geistes wohnt Christus durch Glauben in unseren Herzen. Indem Er darin durch Glauben wohnt, füllt Er unsere Herzen mit Liebe, und die Liebe bereitet uns zu, diese Dinge zu erfassen. Weiter führt die Liebe uns dahin, «alle Heiligen» einzuschliessen; denn je mehr wir die Liebe Christi geniessen, desto mehr werden unsere Herzen ausgehen zu allen, die von Christus geliebt sind.

Dann wünscht der Apostel, dass wir «die Breite und Länge und Höhe und Tiefe» zu erfassen vermöchten. Das scheint die ganze Reichweite des «ewigen Vorsatzes» Gottes auszudrücken, auf den schon in Vers 11 Bezug genommen wurde. Dieser ewige Vorsatz umfasst in seiner Breite «alle Heiligen», in seiner Länge reicht er von Ewigkeit zu Ewigkeit, in seiner Höhe bringt er uns in einen Bereich der Herrlichkeit, und in seiner Tiefe reicht er bis zu uns herab in all unseren Bedürfnissen.

Vers 19

Dieser ganze Schauplatz von Glückseligkeit ist uns durch die Liebe Christi gesichert – des Einen, der «die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat». Deshalb lautet die vierte Bitte, dass wir erkennen möchten «die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus». Es ist eine Liebe, die gekannt und genossen werden kann, und trotzdem die Erkenntnis übersteigt. Wenn wir schon die Höhe der Herrlichkeit, aus der Christus kam, nicht ermessen, noch die Tiefe der Leiden, in denen Er gewesen ist, ergründen können, wie viel weniger vermögen wir die Liebe zu ermessen, die für uns gewirkt hat, die die unermessliche Menge der Erlösten, klein und gross, umfasst, die für uns besorgt ist, während wir durch diese Zeit gehen, die für uns kommt, um uns in das Haus der Liebe zu bringen, um dort bei Ihm und Ihm gleich zu sein, zur Befriedigung seines liebenden Herzens. Eine solche Liebe kann man kennen, und doch bleibt sie für ewig eine Liebe, die die Erkenntnis übersteigt.

Die fünfte Bitte ist, dass wir erfüllt sein mögen zu der ganzen Fülle Gottes. Die Fülle Gottes umfasst alles, was Gott ist, so wie dies in Christus offenbart und kundgemacht worden ist. Der Sohn hat in vollkommener Weise den Vater in seiner Liebe und Heiligkeit, in seiner Gnade und Wahrheit offenbart. Der Apostel wünscht nun, dass wir ein volles Mass der göttlichen Fülle empfangen sollten, damit sie in den Heiligen zur Darstellung komme.

Vers 20

Die sechste Bitte des Apostels ist, dass alles, wofür er für die Heiligen gebeten hat, in ihnen durch die Kraft Gottes zustande komme. Gott vermag in der Tat sehr viel mehr «für uns» zu tun, als was wir erbitten. So sagen wir oft. Hier aber, wo der Leitgedanke des Gebets der geistliche Zustand der Gläubigen ist, geht es weder um das, was Gott für uns, noch um das, was Er mit uns tun kann, sondern um seine Fähigkeit und Bereitschaft «in uns» zu wirken, und zwar als Antwort auf diese Bitten, und dies «über die Massen mehr, als was wir erbitten oder erdenken».

Vers 21

Der siebte und letzte Wunsch bezieht sich auf Gott, dass Ihm die Herrlichkeit sei in der Versammlung in Christus Jesus durch alle Zeitalter hindurch. Jede Bitte in dem Gebet führt diesem wunderbaren Gedanken entgegen, dass durch alle Zeitalter hindurch die Heiligen die Fülle Gottes zur Schau stellen und so zu seiner Ehre sein sollten. Das ganze Gebet zeigt klar, dass es Gottes Wunsch ist, dass das, was wahr sein wird von den Heiligen während der ganzen Ewigkeit, sie jetzt schon kennzeichnen sollte, während sie noch durch diese Zeit gehen – dass alles das, was Gott ist, in seinem Volk zur Ausstrahlung komme.