Gottes Hände (1)

Gottes Hände sind ein vertrautes Thema, mit dem wir uns oft beschäftigen. Gerne erinnern wir uns daran, dass Gottes Hände für uns sind. Welch ein Trost zu singen:

  • So ruhn wir froh,
    den Blick auf Dich gewandt,
    geborgen in dem Schatten deiner Hand!

Aber denken wir auch über Stellen nach, die davon reden, dass seine Hand gegen uns sein kann?

Bevor wir uns an dem erfreuen, was seine Hände für uns sind, wollen wir erkennen, dass die Hand Gottes seine Stärke offenbart und zur Verherrlichung seines grossen Namens führt (2. Chr 6,32.33). Durch den Auszug Israels aus Ägypten und durch seinen Einzug ins Land Kanaan sollten die Völker erkennen, dass die Hand des HERRN stark ist (Jos 4,24).

Für uns bedeutet das Wirken seiner Hände Erlösung, Geborgenheit, Bewahrung, aber auch Erziehung, die manchmal die Form von Zucht annimmt, weil Er uns liebt. Für Gottlose dagegen, die die Gnade ablehnen, sind die Hände Gottes schrecklich.

Was die Hände Gottes wirklich sind, offenbaren uns die Hände des Herrn Jesus als Mensch. Sie sind ein Beweis seines Handelns in Gnade.

1) Die Schöpfung, das Werk seiner Hände

«Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk» (Ps 19,2). Die Schöpfung ist das Werk seiner Hände. Alles, was Er geschaffen hat, weist auf seine Grösse und Herrlichkeit hin.

Schon der Patriarch Hiob musste erkennen, dass Gottes Hände ihn ganz gebildet und gestaltet hatten (Hiob 10,8). Sein Nachdenken über Vögel und Fische brachte ihn zum Ausspruch: «Wer würde nicht an diesen allen erkennen, dass die Hand des HERRN dies gemacht hat, in dessen Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist alles menschlichen Fleisches?» (Hiob 12,9.10).

Menschen mögen denken, dass sie ihr Leben allein der Zeugung durch den Willen des Mannes und dem Geborenwerden von einer Frau verdanken. Doch oft erkennen sie nicht, was Gott durch den Propheten Jesaja bezeugt hat: «Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben die Himmel ausgespannt, und all ihr Heer habe ich bestellt.» Er nennt die Menschen liebevoll: «Meine Kinder und das Werk meiner Hände» (Jes 45,12.11). Sollten wir das nicht anerkennen? «Und nun, HERR, du bist unser Vater; wir sind der Ton, und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände» (Jes 64,7). Wer diesem nicht zustimmt, ist sich nicht bewusst, dass er trotzdem für jeden Atemzug von Ihm abhängig ist. Denn selbst unser Odem ist in seiner Hand (Dan 5,23); das bedeutet in der Hand Dessen, der alles durch das Wort seiner Macht trägt (Heb 1,3).

Doch bei aller Grösse der Schöpfung sowie unserer Hilflosigkeit ohne den Schöpfer, lasst uns nie vergessen, dass die Ehre nicht der Schöpfung, sondern allein dem Schöpfer zukommt. Er ist vor allem, und Er wird ewig bleiben, wie auch der Geist Gottes bezeugt: «Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände; sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Gewand, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen» (Heb 1,10-12). Wer wollte nicht in das Lob des Psalmisten einstimmen: «Kommt, lasst uns anbeten und uns niederbeugen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, der uns gemacht hat! Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide und die Herde seiner Hand» (Ps 95,6.7)!

2) Erlösung durch seine starke, ausgestreckte Hand

Die Erlösung Israels aus Ägypten hat Gott durch seine ausgestreckte und starke Hand bewirkt. «Aber ich weiss wohl, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand. Und ich werde meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allen meinen Wundern, die ich in seiner Mitte tun werde; und danach wird er euch ziehen lassen» (2. Mo 3,19.20).

Durch seine ausgestreckte Hand hat Gott an den Ägyptern Gericht geübt, damit Er sein Volk durch seine starke Hand erlösen und befreien konnte. Die Befreiung durch das Rote Meer hindurch war offensichtlich die Rettung des HERRN, die Er seinem Volk geschaffen hat (2. Mo 14,13). Die Kraft Gottes war grösser als die Macht des Pharaos und seine Hand stärker als die Heeresmacht der Ägypter (Neh 1,10). Durch Gottes starke und erhobene Hand gezwungen, musste der Feind das Volk ziehen lassen (2. Mo 6,1.8).

Was Israel erfahren hat, dient als Bild für die Befreiung eines Sünders, der seine Zuflucht beim Herrn Jesus sucht. Dieser ist mit seiner starken Hand der Stärkere, der den Starken besiegt hat (Lk 11,22). Mit seiner starken Hand nimmt Er den Glaubenden aus der gegenwärtigen bösen Welt, d.h. aus dem Zeitlauf dieser Welt, heraus und befreit ihn aus der Knechtschaft der Sünde (Joh 8,34-36).

Die Gebundenheit des Menschen liegt schwer auf ihm und zudem gibt es vieles, das sich seiner Befreiung hindernd in den Weg stellt. Nachdem der reiche Jüngling weggegangen war, haben die Jünger den Herrn gefragt: Wenn selbst ein solcher sein Leben dem Herrn nicht anvertrauen wollte, wer kann dann errettet werden? (Mk 10,26.27). – Der Hand des Herrn ist nichts unmöglich. Doch es muss uns bewusst sein, dass keiner aus dem Machtbereich Satans gerettet, noch aus den Bindungen der Welt befreit wird, wenn der Herr nicht mit seiner starken Hand eingreift.

3) Geborgenheit der Heiligen in seiner Hand

Der Mensch ist durch die Hand des Herrn erschaffen worden. Jeden, der an Ihn glaubt, erlöst Er und fügt ihn zu seinem Eigentumsvolk hinzu. Ein Erlöster ist nun alle Tage seines Lebens in der Hand des Herrn.

«Alle seine Heiligen sind in deiner Hand» (5. Mo 33,3). Das ist der Segen, womit Mose, der Mann Gottes, das Volk Israel gesegnet hat. Welch wunderbare Geborgenheit, die jedem Glaubenden gilt! Es heisst nicht «in seiner Hand», sondern «in deiner Hand». Damit wird die persönliche, direkte Beziehung, in der wir uns freuen dürfen, unterstrichen.

Zudem sind auch «unsere Zeiten», d.h. unser Geschick, in seiner Hand (Ps 31,16). Nichts kann uns begegnen, das der Herr nicht bewirkt hat (Amos 3,6).

Auch wenn wir in selbstverschuldete Not geraten sind, ist die Hand des Herrn da, um uns zu helfen und uns zu erretten. Er ruft seinem Volk zu: «Ist meine Hand etwa zu kurz zur Erlösung? Oder ist in mir keine Kraft, um zu erretten?» (Jes 50,2). Die Frage ist nicht, ob seine Hand bereit ist zu helfen, sondern ob wir bereit sind, Ihm zu antworten und auf seine Hand zu achten. Selbst einem Mose, der von einem klagenden Volk bedrängt wurde, hat Gott gesagt: «Ist die Hand des HERRN zu kurz? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort dir eintrifft oder nicht» (4. Mo 11,23). Damals griff Gott auf wundersame Weise ein und versorgte sein Volk mit Fleisch, obwohl dies den Menschen nicht zum inneren Gewinn war (Ps 106,15).

Wie viel liegt dem Herrn an seinem Volk! Auch wenn Er uns für sich erzieht und wenn es scheint, Er habe uns verlassen, sagt Er: «Könnte auch eine Frau ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Leibes? Sollten sogar diese vergessen, ich werde dich nicht vergessen. Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet» (Jes 49,15.16). Er wird uns nicht vergessen. Hier werden ausdrücklich beide Handflächen genannt. Es scheint, dass, wenn von seiner Hand in Einzahl gesprochen wird, dies vor allem auf seine Stärke hinweist. Dagegen wird, wenn von seinen Händen die Rede ist, mehr seine Zuneigung und Liebe veranschaulicht.

Im Blick auf die Sicherheit unseres Heils verspricht der Herr, dass niemand uns weder aus seiner noch aus der Hand seines Vaters rauben kann (Joh 10,28.29). Seine Hand ist stärker als die des Räubers. Wenn Er aber die kleinen Kinder segnet, legt Er ihnen die Hände auf und betet mit ihnen (Mt 19,13-15; Mk 10,16). Seine Hand ist stark genug, um uns zu halten. Seine Hände sind noch immer zum Segnen ausgestreckt.

4) Bewahrung durch seine Hand über uns

Sowohl Esra als auch Nehemia hatten es am Herzen, nach Jerusalem zurückzukehren, der eine um das Haus Gottes wieder aufzurichten, der andere um die Stadtmauer wieder aufzubauen. Es war eine Rückkehr zum Gottesdienst nach den Gedanken Gottes.

Esra bezeugte: Es ist der guten Hand Gottes zu verdanken, die über mir war, dass der König mir wohl gesonnen war (Esra 7,6.9). Weil er die rechte Herzenshaltung hatte, durfte er erfahren, dass die gute Hand Gottes über ihm war. Es heisst von ihm, dass er den Willen Gottes nicht nur erforschte, sondern auch bestrebt war, ihn zu tun und andere darüber zu belehren.

Auf der Reise nach Jerusalem erfuhren dann auch die, die mit ihm zurückkehrten, die gute Hand Gottes, sowohl in geistlicher als auch in praktischer Hinsicht. Esra ist ein Beispiel eines Mannes Gottes, der im Glauben voranging. Andere ahmten seinen Glauben nach und durften die gleiche Erfahrung machen.

Als er sich nach Leviten für den Dienst umsah, wurden zunächst keine gefunden. Aber wie sollte der Gottesdienst ausgeübt werden ohne Diener? Sein Aufruf fand eine Antwort bei einzelnen einsichtigen Männern, die willig waren, mitzuziehen, weil die gute Hand Gottes über ihnen war (Esra 8,17.18).

Noch waren sie in Babel, und die Reise nach Jerusalem war gefährlich. Das bewog die Rückkehrer, sich vor Gott zu demütigen und einen geebneten Weg von Ihm zu erbitten. Esra schämte sich, vom König Soldaten zu erbitten, weil er zu ihm gesagt hatte: «Die Hand unseres Gottes ist über allen, die ihn suchen, zum Guten; aber seine Macht und sein Zorn sind gegen alle, die ihn verlassen» (Esra 8,21-23). Reisen war nicht nur damals gefährlich, das ist es auch heute noch. Der Herr vermag uns durch seine Hand zu bewahren, so dass wir nicht den Schutz der Welt beanspruchen müssen.

Lukas berichtet uns, wie sich das Evangelium in der Anfangszeit der Versammlung durch die Verkündigung ausgebreitet hat, weil die Hand des Herrn mit ihnen war (Apg 11,20.21). Heute leben wir in den schweren und gefährlichen Zeiten des Endes (2. Tim 3,1). Wie sehr haben wir es da nötig, den Herrn unablässig zu bitten, seine gute Hand über uns zu halten!

5) Erziehung durch seine Hand auf mir

Wir dürfen uns freuen, in der Hand des Herrn geborgen zu sein. Aber denken wir daran, dass es die gleiche Hand ist, die uns erzieht, wie es in einem Lied heisst:

  • Er hat zärtlich mich lieb,
    ist geduldig mit mir,
    wenn Er mich für sich selber erzieht,
    wenn Er schwer seine Hand
    auf die Schulter mir legt,
    durch sein Wort mich zu läutern sich müht.

David hat diese Hand zu spüren bekommen, als er gesündigt hatte: «Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre. – Ich tat dir meine Sünde kund und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben» (Ps 32,4.5).

Wie dankbar können wir dem Herrn sein, wenn Er seine Hand auf uns legt, sobald wir gesündigt haben. Solange wir zuzudecken und zu verbergen suchen, wird die Last dieser Hand immer drückender. Sobald wir jedoch bekennen, dürfen wir erfahren, wie heilsam Vergebung ist. Das ist die Glückseligkeit, die David preist. Sie führt zu wahrer Freude im HERRN (Ps 32,1.11).

Da ist noch eine Erfahrung, von der David berichtet: «Von hinten und von vorn hast du mich eingeengt und deine Hand auf mich gelegt» (Ps 139,5). Die damaligen Umstände Davids sind uns nicht bekannt. Aus dem Psalm ist jedoch ersichtlich, dass er in Gefahr stand, in seinen Wegen von der Nachfolge des HERRN abzuweichen. Doch der HERR hat dies verhindert, indem Er seine Hand von hinten und von vorn auf ihn gelegt hat. Wir sind dem Herrn zu lieb und zu teuer, als dass Er uns einfach ins Elend laufen lassen kann. Es ist seine Hand, die uns leitet. Seine Rechte ist es, die uns erfasst. David war dankbar für diese Hand. Die gemachte Erfahrung weckte in ihm den Wunsch, Gott möge sein Herz und seine Gedanken erforschen. Das Ziel war nicht Gottes eingreifende Hand, sondern dass der HERR ihn auf ewigem Weg leitete (Ps 139,23.24).

Von einer ähnlichen Erfahrung berichtet auch Asaph, dem die tägliche Erziehung durch die Hand Gottes zu viel wurde. Er verglich seinen Weg mit dem der Gottlosen. Das machte ihn unglücklich. Er kam erst zur Einsicht, als er in die Heiligtümer Gottes hineinging und alles aus Gottes Sicht sah. Wie dankbar war er da, dass Gott ihn bei seiner Hand erfasst hatte, um ihn durch seinen Rat zu leiten (Ps 73,23.24).