Das christliche Leben in seiner Anfangsfrische

1. Thessalonicher 1,1-10

Das ewige Leben im Neuen Testament

Vier Bücher des Neuen Testaments sprechen vom christlichen Leben, d.h. vom ewigen Leben.

Das Johannes-Evangelium zeigt uns Den, in dem das Leben war. «In ihm war Leben» (Joh 1,4). Es ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, der als Mensch auf diese Erde gekommen ist. In Ihm wurde dieses Leben vollkommen dargestellt. Welch eine Gnade für uns Menschen!

Der erste Johannes-Brief macht klar, dass alle, die an den Herrn Jesus glauben, dieses gleiche Leben bekommen haben. Sie haben Leben in Ihm. Man könnte die Aussage aus 1. Johannes 2,8: «Das, was wahr ist in ihm und in euch», als Überschrift dieses Briefes bezeichnen.

Im ersten Thessalonicher-Brief sehen wir das christliche Leben in seiner Anfangsfrische.

Der Philipper-Brief zeigt uns das christliche Leben in der Erprobung. Wir erkennen in diesem Brief, dass das ewige Leben, das wir durch den Herrn Jesus bekommen haben und in Ihm besitzen, über alle widrigen Umstände dieses Lebens auf der Erde zu triumphieren vermag.

Jung im Glauben

Heute wollen wir uns mit dem praktischen Zustand der jung bekehrten Thessalonicher beschäftigen und uns selbst ins Licht dieser Verse stellen. Gerade wenn wir schon länger auf dem Glaubensweg sind, kann uns die Anfangsfrische dieser Glaubenden neuen Ansporn geben. Sie sind Vorbilder, von denen wir alle etwas lernen können.

Vorrechte und Verantwortung

Vers 1. In seiner Anrede verbindet sich Paulus mit Silvanus und Timotheus. Durch den Besuch dieser drei Brüder in Thessalonich und ihre Verkündigung waren viele Bewohner jener Stadt zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen (Apg 17,1-9). Diese Glaubenden bildeten nun die Versammlung in Thessalonich. Vermutlich hatten sie in der kurzen Zeit, in der der Apostel unter ihnen sein konnte, noch nicht viel Belehrung über die Wahrheit der Versammlung bekommen. Trotzdem bildeten sie die Versammlung der Thessalonicher. Sie hatten nicht nur neues, ewiges Leben empfangen, sie waren auch durch den einen Geist zusammengefügt worden und gehörten jetzt zu dem einen Leib des Christus. Davon durften sie in ihrer Stadt kollektiv zeugen.

Als sie diesen Brief erhielten, kannten sie wahrscheinlich die Wahrheit über den einen Leib noch nicht. Sie verstanden jedoch wohl, dass sie als Versammlung in Gott, dem Vater, waren, d.h. sie erkannten, dass sie als Familie Gottes im Kollektiv Zugang zum Vater und Gemeinschaft mit Ihm hatten. – Das hatten sie natürlich auch persönlich. Sie waren noch Kinder (Babys) im Glauben, und diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie den Vater erkannt haben (1. Joh 2,14).

Hier aber wird von der Versammlung in Gott, dem Vater, gesprochen. In Epheser 2,18 heisst es: «Denn durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater.» Da geht es ebenfalls um den gemeinsamen Zugang zum Vater. Auch wenn dieser Vers oft persönlich angewandt wird, spricht er doch von unserem gemeinsamen Teil. In diesem Sinn hat jedes örtliche Zeugnis der Versammlung gemeinsamen Zugang zum Vater. Das ist ein grosses Vorrecht.

Doch neben den Vorrechten gibt es auch Verantwortung. Davon spricht der zweite Teil des Verses: «und dem Herrn Jesus Christus.» Die Thessalonicher waren auch mit dem Herrn Jesus Christus verbunden. Er war ihr Herr geworden, und die Konsequenz daraus war, dass sie Ihm Gehorsam schuldeten. Diese beiden Seiten – unsere Vorrechte und unsere Verantwortung – finden wir in Gottes Wort öfter nahe beieinander.

Paulus wünscht ihnen Gnade und Friede. Das brauchten sie jeden Tag persönlich – wir übrigens auch. Gnade und Friede waren aber ebenso wichtig für sie gemeinsam als Versammlung. Gnade hatten sie nötig, um den vor Gott wohlgefälligen Weg zu finden, um Licht zu empfangen für die Schritte, die sie mit den Füssen zu gehen hatten. Frieden brauchten sie für ihr Herz. Das ist auch heute nötig. Wie vieles dringt, ja, stürmt auf uns ein, das uns beunruhigt. Wie gut, wenn wir dann beim Herrn zur Ruhe kommen können.

Vers 2. Nun spricht Paulus vom praktischen Zustand der Thessalonicher, und da konnte er Gott nur danken. Könnte der Apostel auch für uns und die örtliche Versammlung, zu der wir gehören, in dieser Weise danken? Paulus erwähnte sie allezeit in seinen Gebeten. Das Gebet des Apostels erinnert uns daran, dass die Personen, die der verherrlichte Herr seiner Versammlung als Gaben gegeben hat, zwei Aufgaben zu erfüllen haben: den Dienst am Wort (mündlich oder schriftlich) und das Gebet. Wir finden dies in Apostelgeschichte 6, wo die Apostel die Versammlung in Jerusalem aufforderten, zu ihrer Entlastung Männer für die Bedienung der Tische zu bestimmen. Sie begründeten dies mit den Worten: «Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren.» Paulus predigte nicht nur viel, er betete auch unablässig. Und wir?

Werke des Glaubens Bemühung der Liebe Ausharren der Hoffnung

Vers 3. Bei der Beschreibung des praktischen Zustands der Thessalonicher erwähnt er drei Punkte:

  1. Es zeigten sich Werke als sichtbare praktische Ergebnisse ihrer Bekehrung.
  2. Es gab Bemühungen, d.h. beständiger Einsatz für die Belange des Herrn.
  3. Das vorhandene Ausharren zeugte von einem Durchhalten im Blick auf die Dinge des Herrn, und zwar in allen Umständen.

Jeder dieser drei Charakterzüge des praktischen Lebens der Thessalonicher entspringt einer Quelle:

Die Werke waren Werke des Glaubens. Sie entstanden aus den täglichen Glaubensbeziehungen mit dem Herrn. Es ist entscheidend, wie wir unsere Werke tun. Sind sie einfach zur Routine geworden, oder entspringen sie einer lebendigen, praktischen Gemeinschaft mit dem Herrn?

Weiter spricht er von der Bemühung der Liebe. Diese Mühe, dieser Einsatz für den Herrn entsprang einem Herzen, das in Liebe für Ihn schlug. Einer der Jünger, die den Herrn während seines Dienstes hier begleiteten, illustriert dies. Es ist Petrus. Er setzte sich für der Herrn ein. Wohl hat er nicht alles richtig gemacht und war tief gefallen, aber er liebte den Herrn von ganzem Herzen. Das ist auch für uns wichtig, wenn wir uns für die Belange des Herrn einsetzen. Möchten wir bereit sein, für den Herrn zu arbeiten, wie Er jedem seine Aufgabe angesichts der vorhandenen Bedürfnisse aufträgt. Das kann in der Verbreitung des Evangeliums oder im Blick auf die Nöte der Glaubenden sein. Aber mögen diese Bemühungen aus einer Liebe zum Herrn hervorgehen. In dem Mass, wie wir den Herrn lieben, lieben wir auch die, denen wir dienen.

Das Dritte ist das Ausharren. Es wird mit der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus verbunden. Die Thessalonicher setzten bei ihrem Durchhalten ihr Vertrauen nicht auf Menschen, sondern auf den Herrn. In Römer 5,3-5 finden wir einen ähnlichen Gedanken: «Da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber beschämt nicht.» Wir können bei diesem Wort «Hoffnung» an die Wiederkunft des Herrn denken. Es ist nie verkehrt, das Kommen des Herrn vor sich zu haben. Der Zusammenhang scheint aber klarzumachen, dass hier auch ein vertrauensvolles Hoffen auf die Hilfe des Herrn vorhanden war.

Diese drei Charakterzüge der Thessalonicher – Werke, Arbeit oder Bemühung und Ausharren – waren also auf Glauben, Liebe und Hoffnung gegründet: eine schöne Beschreibung neu bekehrter Menschen! Sie waren dies vor unserem Gott und Vater. Sie haben diese drei Charakterzüge unter seinen Augen gezeigt. Sie waren sich bewusst, dass Gott sie beobachtete, dass sie vor seinem Angesicht standen und Er alles sah, was sie taten. Das ist sowohl ernst als auch tröstlich. Wenn wir z.B. versuchen, das Evangelium zu verbreiten oder den Gläubigen zu helfen, dann werden wir in unserem Tun manchmal missverstanden. Dann ist es tröstlich zu wissen, dass Gott alles sieht und alles kennt.

Auserwählung

Vers 4. Das Wissen, vor unserem Gott und Vater zu sein, führt Paulus dann zum Gedanken an die Auserwählung: «Wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.» Der praktische Zustand der Briefempfänger hatte dem Apostel die Gewissheit gegeben, dass sie auserwählt waren und wirklich Gott angehörten.

In den Versen 1-3 sehen wir die Thessalonicher dreimal in Verbindung mit Gott. In Vers 1 heisst es: «in Gott, dem Vater»; das ist Gemeinschaft. In Vers 3 haben wir: «vor unserem Gott und Vater»; das ist Verantwortung. In Vers 4 steht: «von Gott». Da kommt etwas von Gott zu uns: der Strom seiner Liebe. Welch eine wunderbare Tatsache: Wir Glaubende sind von Gott geliebte Brüder und Schwestern! Lasst uns dies bewusst ins Herz aufnehmen. Was immer auch in deinem und meinem Leben geschieht, es kommt aus der Liebe Gottes hervor.

Aus dem, was der Apostel bei den Thessalonichern sah, war er überzeugt, dass sie auserwählt waren. Er erklärt diese Auserwählung in Epheser 1 und zeigt dort, dass sie vor Grundlegung der Welt erfolgte. Bevor irgendetwas geschaffen war, hatte Gott diese Thessalonicher persönlich gekannt und sie persönlich auserwählt. Durch ihre Bekehrung und die Werke des Glaubens, die sich bei ihnen zeigten, wurde Paulus von dieser Tatsache überzeugt.

Es gibt immer die beiden Seiten: die Seite Gottes und die des Menschen. Der Mensch wird aufgefordert, Buße zu tun und sich zu bekehren. Wenn er das tut und an den Namen und an das Werk des Herrn Jesus glaubt, dann versichert ihm Gott, der Vater: Ich habe dich schon vor Grundlegung der Welt auserwählt. Wir dürfen diese beiden Seiten sehen, doch sie übersteigen unseren Verstand. Aber das macht nichts. Göttliche Dinge dürfen ruhig unser Verständnis übersteigen. Wenn es um die Auserwählung geht, dann freuen wir uns darüber und beten an.

Dienst und Praxis des Lebens

Vers 5. Nun wird uns gesagt, wie diese Menschen zum Glauben, zur praktischen Verwirklichung ihrer Bekehrung gekommen waren: durch den Dienst von Paulus, aber auch von Silvanus und Timotheus. Diese Drei hatten ihnen das Evangelium, d.h. eine gute Botschaft, gebracht. Das Evangelium weiterzusagen, heisst wirklich: den Menschen eine gute Botschaft bringen.

Paulus nennt es «unser Evangelium» und zählt dann vier Kennzeichen ihres Dienstes auf:

  1. Es war «im Wort», d.h. Paulus und die anderen hatten geredet.
  2. Er hatte aber nicht nur geredet, es geschah auch «in Kraft», d.h. in diesem verkündigten Wort lag göttliche Kraft. Paulus sprach und schrieb in seinen Briefen inspirierte Worte. Darin lag die Kraft.
  3. Es geschah «im Heiligen Geist». Was er verkündigte, war eine geistliche Rede, keine fleischliche, menschlich interessante Konstruktion. Es war vom Heiligen Geist gewirkt.
  4. «In grosser Gewissheit» lässt uns an eine bestimmte und klare Botschaft denken. Etwas von dieser grossen Gewissheit erkennen wir z.B. in den Worten, die er in Athen auf dem Areopag gesprochen hat: «Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat» (Apg 17,30.31). Gott lässt dem Menschen keine Wahl, Er gebietet ihm, Buße zu tun. Wer dieser Aufforderung nachkommt, erfährt Jesus Christus als Heiland. Wer nicht bereit ist, Gott zu gehorchen und dieses Heil im Herrn Jesus ablehnt, wird Ihm als dem Richter begegnen müssen.

Diese Punkte bezüglich des Dienstes sind auch für uns wichtig, wenn wir das Evangelium weitertragen. Es muss etwas geredet werden oder etwas Geschriebenes weitergegeben werden. Dabei muss uns bewusst sein, dass nur das inspirierte, geschriebene Wort Gottes in Kraft wirkt. Wir müssen also in unserem Reden das geschriebene Wort Gottes vor Herz und Gewissen legen. Weiter geht es um einen geistlichen Dienst, und er darf mit grosser Bestimmtheit geschehen, indem wir das Heil klar vorstellen. Das auf Golgatha vollbrachte Werk des Herrn Jesus genügt zur Rettung verlorener Sünder. Wer dieses Werk ablehnt, wird einst vor dem grossen weissen Thron gerichtet werden. Dort werden Bücher geöffnet, in denen das ganze Leben der Angeklagten aufgeschrieben ist. Auch das Buch des Lebens wird dann geöffnet, aber nur als Beweis dafür, dass kein Name von denen, die dort erscheinen müssen, darin steht. Und dann geht es im Schweigemarsch in die Hölle – für alle Ewigkeit.

Paulus und seine Begleiter haben in Thessalonich nicht nur einen Dienst getan, sie haben auch unter jenen Jungbekehrten gelebt. Wenn er schreibt: «Was wir unter euch waren», dann meinte er damit sein Leben und das Leben seiner Begleiter. In den Schriften des Apostels Paulus fällt auf, wie er die zwei Seiten immer wieder vor sich hatte: seinen Dienst für den Herrn und sein Leben mit Ihm.

Das müssen auch wir unterscheiden. Jeder von uns hat einen Dienst vom Herrn und für Ihn, und jeder von uns darf ein Leben mit dem Herrn leben. Wenn wir dies unterscheiden, trennen wir die zwei Seiten nicht voneinander, sondern verbinden sie. Das Leben muss in Übereinstimmung mit dem sein, was wir verkündigen.

«Was wir unter euch waren um euretwillen.» Es ging Paulus nicht um seine Person, sondern um die Thessalonicher. Ihnen hatte er gedient, und unter ihnen hatte er als treuer Christ gelebt.

Nachahmer und Vorbilder

Vers 6. Die Briefempfänger waren seine Nachahmer geworden. Welch ein schönes Zeugnis! Man hat manchmal Hemmungen zu sagen, dass wir andere Menschen nachahmen dürfen. Doch die Bibel zeigt es uns. Wir dürfen Brüder und Schwestern nachahmen. Die Frage ist nur: Wen ahmen wir nach? Hier geht es um treue Knechte des Herrn. Die gibt es auch heute noch, auch wenn wir keine Apostel mehr haben. Zudem bleibt Paulus für uns alle ein gutes, nachahmenswertes Vorbild.

Die Thessalonicher waren aber auch Nachahmer des Herrn geworden. Der Apostel war ein Beispiel für sie, der Herr aber das vollkommene Vorbild. Diesen Mann der Schmerzen dürfen auch wir nachahmen, Ihm aber auch nachfolgen. Nachahmen können wir sowohl den Herrn als auch Menschen. Nachfolgen aber sollen wir nur dem Herrn.

Jene Gläubigen wurden Nachahmer, indem sie das Wort aufgenommen haben, nachdem es ihnen verkündigt worden war. Sie haben dies in Bedrängnis und mit Freude des Heiligen Geistes getan. Diese zwei Begleiterscheinungen treten nicht nur bei der Bekehrung, sondern grundsätzlich immer dann auf, wenn wir das Wort aufnehmen. Sobald Gläubige das Wort aufnehmen und es im täglichen Leben zu verwirklichen suchen, werden sie es mit dem Feind Gottes zu tun haben. Das ist die erste Realität: die Drangsal des Feindes Gottes. Wenn an einem Ort ein neues Zeugnis der Versammlung entsteht, wird der Feind mit aller Energie gegen diese junge Versammlung vorgehen. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Diese Drangsal haben auch die Thessalonicher erfahren.

Neben dieser Realität gibt es noch eine zweite. Das Aufnehmen des Wortes bewirkt Freude – Freude des Heiligen Geistes. Es ist die Freude am Herrn Jesus. Diese zweite, glückliche Realität können wir aber nicht ohne die andere haben. Wenn wir aber bereit sind, die Drangsal auf uns zu nehmen, dann wird auch die Freude unser Herz erfüllen.

Verse 7.8. In diesem Verhalten waren die Thessalonicher zu Vorbildern geworden. Auch wir können von ihnen lernen. Sie waren für ihre ganze Umgebung in zweierlei Hinsicht zu Vorbildern geworden. Erstens ist von ihnen aus das Wort des Herrn erschollen, und zweitens war ihr Glaube ausgebreitet worden. Wir haben hier wieder die zwei Seiten, die Paulus ihnen vorgelebt hatte: Dienst und praktisches Leben. Sie hatten von diesem Apostel und noch besser vom Herrn Jesus gelernt, der sowohl diente als auch vollkommen lebte. Nun wurde dies auch in ihrem Leben wahr: Sowohl das Wort als auch ihr Glaube an Gott wurden ausgebreitet. Welch ein schönes Zeugnis von diesen jungen Gläubigen.

Bekehrt, um zu dienen und zu warten

Verse 9.10. Alle erzählten vom Eingang, den der Apostel bei ihnen gehabt hatte. Sie hatten ihn mit positiver Herzenseinstellung aufgenommen.

Daraufhin zeigten sich bei den Thessalonichern drei wichtige Tatsachen:

  1. Sie bekehrten sich von den Götzenbildern zu Gott. Aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn erfahren wir, was Bekehrung ist: eine innere und eine äussere Umkehr. Als dieser jüngere Sohn bei den Schweinen sass, am Tiefpunkt seines Lebens angelangt, da kam er zu sich selbst. Und da hat er sich bekehrt und dabei zuerst ein Selbstgespräch geführt. Er sagte sich: «Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr würdig dein Sohn zu heissen.» Das war die innere Umkehr. Er wollte bekennen, was er getan hatte: gesündigt; und er wollte sagen, was er von Natur war: nicht würdig.
    Darauf folgte die äussere Umkehr. Sie wird in Lukas 15,20 mit den Worten ausgedrückt: «Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater.»
    Die innere Bekehrung sieht niemand. Sie ist aber nötig und kommt zuerst. Doch dann muss die äussere Umkehr erfolgen, d.h. man muss rechtsumkehrt machen und in die andere Richtung laufen.
    Das war auch bei den Thessalonichern der Fall. Sie hatten sich von den Götzenbildern zu Gott bekehrt. Einfach gesagt: von der Welt weg zu Gott. Die Welt und Gott stehen einander entgegen. Wer sich bekehrt, dreht sich von der Welt weg und wendet sich Gott zu. Gott macht da eine klare Trennung. Der Feind will vermischen. Lasst uns auch als Glaubende daran denken!
  2. Als Nächstes wird von ihnen gesagt, dass sie dem lebendigen und wahren Gott gedient haben. Sie hatten sich bekehrt, um nun diese neue Tätigkeit auszuüben. Warum wird Gott hier der lebendige und wahre Gott genannt? Weil sie es vor ihrer Bekehrung mit toten und falschen Götzen zu tun hatten. Jetzt waren sie mit dem lebendigen und wahren Gott verbunden.
    Das ist das Vorrecht von jedem, der an den Herrn Jesus glaubt. Wir sind mit dem lebendigen Gott verbunden und dürfen Ihm dienen. Welch ein Vorrecht! Das ist der Grund, warum wir noch hier gelassen sind: um ein Licht und ein Zeugnis für den Herrn zu sein und dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.
  3. Sie erwarteten den Sohn Gottes aus den Himmeln. Die Thessalonicher erwarteten Den, der der Sohn der Liebe des Vaters ist. Sie erwarteten, dass Dieser kommen würde, und zwar aus den Himmeln, um sie in den Himmel zu nehmen.
    Paulus erwähnt dabei, dass Gott Ihn – Jesus – aus den Toten auferweckt habe. Das erste Kommen des Herrn Jesus geschah vor ungefähr 2000 Jahren. Damals war Er gekommen, um Menschen zu erretten. Er war gekommen, um ein wunderbares, vollkommenes Erlösungswerk zu vollbringen, aufgrund dessen Gott jetzt allen Menschen Rettung anbietet.
    Diesen, der einst auf diese Erde gekommen ist, hier gelebt hat und am Kreuz gestorben ist, hat Gott auferweckt, damit Er nochmals kommen kann. Doch dann wird Er nicht mehr zum Heil, sondern zum Gericht kommen. Dieser Gedanke steht hier vor uns: Jesus kommt wieder und mit Ihm der kommende Zorn, d.h. das Gericht über die gottlosen Menschen.
    Der Schwerpunkt dieses Verses liegt in der Aussage, dass die, die an den Herrn Jesus glauben, aus dieser Welt herausgenommen und in den Himmel gebracht werden, damit der kommende Zorn sie nicht trifft.
    Das zweite Kommen des Herrn Jesus hat also zwei Etappen. Zuerst unser Versammeltwerden zu ihm hin (2. Thes 2,1). Damit ist die Entrückung gemeint. Dann seine Ankunft, bei der Er auf dieser Erde gegenwärtig sein wird zum Gericht.
    Der Hauptpunkt unseres Verses ist die Entrückung. Der Zorn Gottes kommt über diese Erde, aber wir erwarten nicht den Zorn. Wir warten auf den Sohn der Liebe des Vaters, der aus den Himmeln kommt, um uns zu sich zu entrücken – Jesus, der uns errettet vom kommenden Zorn.
    Die Thessalonicher hatten sich also bekehrt und dienten Gott. Und indem sie dienten, warteten sie auf das Kommen des Sohnes Gottes. Und wir, die wir an den Herrn Jesus glauben? Wünschen wir, Gott und dem Herrn zu dienen? Oder müssen wir am Ende unseres Lebens um verlorene Tage klagen? Lasst uns als solche, die dem Herrn dienen, täglich und beständig auf Ihn, den Sohn Gottes aus den Himmeln, warten!