Jüngerschaft und Nachfolge (10)

Kennzeichen eines Jüngers

Woran erkennt man eigentlich einen Jünger des Herrn Jesus? Was sehen wir an anderen? Was erkennen sie an uns? Es muss bestimmte Merkmale geben, die eine Person als einen Jünger Jesu auszeichnen.

In seiner Verantwortung vor König Agrippa gab Paulus Zeugnis von seinem Leben und seiner Umkehr. Als Saulus war er einst ein eifriger, religiöser Israelit, der nach den Vorschriften des Gesetzes lebte und meinte, er würde Gott besonders gefallen, wenn er die Christen verfolgte. In diesem Übereifer reiste er nach Damaskus, um auch dort gegen die Glaubenden vorzugehen. Da trat ihm Jesus von Nazareth in den Weg mit einem Licht, das den Glanz der Sonne übertraf, und einer Stimme, die ihn in hebräischer Mundart anredete:

«Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen.»

Was weiter geschah, schildert Paulus wie folgt: «Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst; aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füsse; denn dazu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch dessen, worin ich dir erscheinen werde, indem ich dich herausnehme aus dem Volk und aus den Nationen, zu denen ich dich sende, um ihre Augen aufzutun, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind. Daher, König Agrippa, war ich dem himmlischen Gesicht nicht ungehorsam, sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und auch in Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den Nationen, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren und der Buße würdige Werke zu vollbringen» (Apg 26,14-20).

Paulus berichtet mit diesen Worten von seinem besonderen Auftrag, den er vom Herrn empfangen hat. Aber in diesem Zeugnis zählt er eine Reihe von Merkmalen auf, die einen Jünger oder eine Jüngerin kennzeichnen sollen. Wir wollen nun im Einzelnen über sie nachdenken:

  1. Bekehrung ist der erste Schritt. Umkehr zu Gott ist die Voraussetzung, um ein Jünger des Herrn Jesus zu werden. Ohne Umkehr gibt es keine echte Nachfolge. Wir haben wohl keine so dramatische Wende mitgemacht wie Paulus. Vielleicht weisst du den genauen Tag deiner Umkehr nicht mehr. Aber wichtig ist, dass du dich bekehrt hast und davon Zeugnis geben kannst.
  2. Wer bist du Herr? Das Wichtigste bei einer Umkehr ist die Person, zu der man sich hinkehrt. Saulus wollte wissen, wer dieser Herr ist, der in hebräischer Mundart zu ihm redete. Unverzüglich hörte er die Antwort: «Ich bin Jesus, den du verfolgst.» Sie kam von Dem, der sich im Alten Testament als HERR offenbart hatte, der aber Mensch geworden und als Jesus geboren worden war. Jesus heisst: Der HERR ist Rettung; denn Er war gekommen, um sein Volk von seinen Sünden zu retten (Mt 1,21). Zu diesem Jesus, den er bisher verfolgt hatte, kehrte er um. Er konnte bezeugen: «Ich weiss, wem ich geglaubt habe» (2. Tim 1,12). Von nun an war Dieser der Herr in seinem Leben, dem er gehorchte. Ein Jünger des Herrn Jesus sein heisst, Ihn nicht nur als Heiland zu kennen, sondern Ihm auch als Herrn zu folgen.
  3. Dem Wort des Herrn Jesus gehorchen. Paulus war ein Mann, der sich durch niemand und nichts aufhalten liess, bis ihn dieses Licht zu Boden geworfen und er diese eine Stimme gehört hatte. Dieser Stimme beugte er sich und gehorchte ihr. Sein Gehorsam umfasste drei Punkte, die später seine Verkündigung prägten:
    1. Buße tun, d.h. in seinem Leben innehalten, zu sich selbst kommen und seine Sünden einsehen.
    2. Sich zu Gott bekehren, was eine wirkliche Umkehr beinhaltet. Der einst verlorene Sohn blieb nicht bei den Schweinen sitzen, sondern nahm den Weg unter die Füsse und kehrte mit einem Sündenbekenntnis zu seinem Vater zurück.
    3. Der Buße würdige Werke tun. Wenn jemand wirklich umgekehrt ist, wird das auch in seinem Leben sichtbar.
  4. Richte dich auf und stelle dich auf deine Füsse. Wer ins Licht Gottes gestellt worden ist, erkennt, dass sein Leben viel schlimmer aussieht, als er es bisher beurteilt hat. Das führt zu einer tiefen Betrübnis. – Wenn die Sünden aber bekannt und deshalb auch vergeben sind, musst du nicht länger am Boden liegen bleiben. Nein, steh auf! Ergreife das Heil im Glauben! Beanspruche für dich die Zusage der Vergebung und fang an, dem Herrn nachzufolgen!
  5. Zu einem Diener und Zeugen bestimmt. Ein Jünger ist aufgerufen, dem Herrn nachzufolgen. Gleichzeitig soll er aber auch ein Diener und Zeuge sein, weil wir als Jünger Dem folgen, der selbst ein Diener und Zeuge war. Der Herr Jesus war nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Als der Gesandte des Vaters war Er ein Zeuge. Er gab Zeugnis von sich selbst (Joh 8,14.18). Er ist aber immer noch Diener und Zeuge. Er ist der treue Zeuge (Off 1,5) und bleibt Diener auf ewig. Das zeigt uns Lukas 12,37: «Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.»
    Der Diener ist nicht grösser als sein Herr. Das Wesen eines Dieners zeigt sich in der Unterordnung unter seinen Herrn. Zudem stellt er sich unter die, denen er dient. Ein Zeuge spricht von dem, was er gehört, gesehen und erlebt hat. Wir reden nicht aus uns selbst, sondern zeugen vom Wort und von dem, was wir in der Nachfolge des Herrn erlebt haben.
  6. Herausgenommen aus dem eigenen Volk. Paulus wurde aus dem Volk der Juden herausgenommen. Er war nun ein Jünger des Herrn Jesus und blieb nicht länger in Gemeinschaft mit denen, die Feinde seines Herrn waren. Als Nachfolger des Herrn Jesus denken wir vielleicht, dass wir Chancen verpassen, wenn wir uns von den Menschen zum Herrn hin absondern. Doch am Beispiel von Abraham und Lot wird deutlich, dass dies in der Praxis nicht zutrifft. Lot ging nach Sodom und blieb dort, aber sein Zeugnis war nicht glaubhaft. Sogar seine Schwiegersöhne verstanden seine Warnung nicht. Für sie war das, was er sagte, ein Scherz. Abraham dagegen blieb ein Fremder, der in Gemeinschaft mit Gott lebte. Er wurde von den Bewohnern des Landes respektiert. Sie nannten ihn einen Fürst Gottes. Unser Zeugnis hat nur Kraft, wenn wir uns entschieden auf die Seite des Herrn stellen.
  7. So sende ich dich. Paulus bekam einen bestimmten Auftrag, den er sich nicht selbst aussuchte. Er durfte die Botschaft des Evangeliums ausrichten. Wie einst Jeremia sollte er dorthin gehen, wohin der Herr ihn sandte, und die Botschaft weitergeben, die der Herr ihm auftrug. Dazu schenkte Gott dem Propheten die Zusage: «Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir» (Jer 1,8).

Erkennen die Menschen dich als Jünger von Jesus? Oder bist du noch ein Jünger, der seinem Herrn zwar folgt, aber möglichst im Verborgenen, wie einst Joseph von Arimathia oder Nikodemus? Die beiden waren aus Furcht vor den Juden verborgene Jünger, bis zu der Stunde, als der Heiland das Erlösungswerk vollbrachte. Da merkten sie: jetzt oder nie! Auch heute gilt es, sich auf die Seite des Nazaräers zu stellen, wie es die beiden damals taten. Joseph ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu, damit er Ihn in seiner Gruft bestatten konnte. Nikodemus brachte etwa 100 Pfund einer Salbenmischung von Myrrhe und Aloe, um Ihn zu salben.

Wenn du deinem Herrn aufrichtig folgen willst, wird es nicht lange dauern, bis du etwas für Ihn tun darfst. Er wird dir Gelegenheiten geben, wo du dich auf seine Seite stellen und zeigen kannst, Wem du nachfolgen möchtest.