Jüngerschaft und Nachfolge (11)

Was ist, wenn wir in der Nachfolge nachlassen?

Warum kommt es vor, dass manche Jünger mit der Zeit in der Nachfolge des Herrn Jesus nachlassen? Wie ist es bei mir selbst? Folge ich meinem Meister immer noch mit der gleichen Freude wie am Anfang?

Unser Leben als Jünger in der Nachfolge können wir mit einem Langstreckenlauf vergleichen. Da kommt jeder einmal an den Punkt der Ermüdung. Wie können wir sie überwinden, um nicht auf Distanz zu unserem Herrn zu geraten? Sobald wir müde werden und nur noch «von weitem», d.h. mit Abstand, folgen, wird es gefährlich. Es braucht dann nicht mehr viel, bis wir zu Fall kommen. Deshalb wollen wir über mögliche Ursachen des Ermüdens nachdenken und überlegen, was wir vorkehren müssen, um nicht zurückzubleiben.

Durch Stehenbleiben, Einkehr und Umkehr finden wir den Weg und den Tritt mit unserem Herrn wieder.

1) Stehen bleiben, um zu sich selbst zu kommen

Du denkst: Ermüdung liegt in der Natur der Sache. Wer läuft, wird müde. Deshalb schenkt der Herr uns Gelegenheiten, um uns in der Gemeinschaft mit Ihm auszuruhen und zu stärken. Als einige Jünger sich zurückzogen und nicht mehr öffentlich mit dem Herrn gingen, fragte Er die Zwölf: «Wollt ihr etwa auch weggehen?» Da antwortete Ihm Petrus: «Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist» (Joh 6,66-69).

Die Nähe zu seiner Person im Gebet und die tägliche Auferbauung durch sein Wort geben uns neue Kraft auf dem Weg der Nachfolge. Sie sind Voraussetzungen, damit wir Schritt halten können. Lasst uns stehen bleiben und anhand von vier Beispielen bedenken, was auch uns widerfahren kann:

  1. Die Epheser hatten die erste Liebe verlassen und sollten deshalb an das denken, wovon sie gefallen waren (Off 2,4.5). In diesen Versen spricht der Herr von der Zuneigung zu Ihm. Der erste negative Schritt der Epheser war aktiv: Sie verliessen die erste Liebe. Darauf folgte der zweite, ein passiver: Sie waren gefallen. Dies geschah fast unmerklich, denn der Herr musste sie darauf aufmerksam machen. Das Abweichen beginnt immer im Herzen.
  2. Die Hebräer werden aufgefordert, jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde abzulegen, um mit Ausharren laufen zu können (Heb 12,1-3).
    Laufen ermüdet immer, aber wenn wir noch unnötigen Ballast mitschleppen, verlangsamt sich unser Schritt und es entsteht eine Distanz zum Herrn. Zudem kann uns die Sünde umstricken. Das heisst: Sie wird uns hindern und uns zu Fall bringen oder uns sogar binden. Da stellt sich uns die Frage: Was gibt es für Lasten, die ich mir selbst auferlegt habe?
  3. Was hat Johannes Markus bewogen, die Missionare Paulus und Barnabas zu verlassen und seinen Dienst aufzugeben? Es scheinen die Mühen, der Widerstand und die Leiden im Dienst gewesen zu sein (Apg 13,13). Der untreu gewordene Diener wurde wiederhergestellt und war später nützlich zum Dienst. Er mag uns als Beispiel dienen, im Übereifer nicht über unser Mass des Glaubens hinauszugehen.
  4. Demas verliess Paulus, da er den jetzigen Zeitlauf lieb gewonnen hatte. Wir müssen die Welt überwinden, damit ihre Anziehungskraft uns nicht vom Herrn wegzieht. Bei den einen ist es mehr die materielle Seite der Welt, bei den anderen eher die geistige, die zur Gefahr wird. Bei Demas hatte der Gott dieser Welt sein Ziel erreicht. Dieser Jünger hörte auf, dem Herrn nachzufolgen (2. Tim 4,10).

2) Einkehr

Wir benötigen täglich Erbauung, Trost und Ermahnung. Der Herr will sie uns durch sein Wort und in der Gemeinschaft mit Ihm geben. Wenn du dir bewusst wirst, dass du dich innerlich von Ihm entfernt hast, braucht es konkrete Schritte, um schliesslich an den Ausgangspunkt zurückzukommen. Wir wollen sie anhand von Zephanja 2,1-3 aufzeigen: «Geht in euch … Sucht den HERRN, alle ihr Sanftmütigen des Landes, die ihr sein Recht gewirkt habt; sucht Gerechtigkeit, sucht Demut.»

  1. Geht in euch. Wenn wir uns krank fühlen, wissen wir, wie wir vorzugehen haben: Wir messen Blutdruck, Puls, Körpertemperatur usw. Vor dem Messen wissen wir nicht, ob wir zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck haben.
    So gibt es auch im geistlichen Leben Merkmale, wie das Beten, das Lesen des Wortes, das Besuchen der Zusammenkünfte der Gläubigen, das Interesse am Werk des Herrn usw., an denen wir merken können, ob wir noch nahe beim Herrn sind. Deshalb ruft uns der Prophet Jeremia zu: «Prüfen und erforschen wir unsere Wege, und lasst uns zu dem HERRN umkehren!» (Klgl 3,40).
  2. Sucht den Herrn. Da geht es um unsere Zuneigung zu Ihm. Lasst uns nicht nur auf äussere Symptome achten, sondern auch auf unsere Herzensbeziehung zu Ihm. Denken wir in unserem Alltag z.B. noch spontan an sein Kommen? Freust du dich schon während der Woche auf den Tag des Herrn, an dem du sein Gedächtnis halten darfst?
  3. Sucht Gerechtigkeit. Wir sollten uns nicht selbst täuschen wie z.B. die Galater, denen Paulus schreiben musste: «Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht?» (Gal 5,7). Lassen wir das Wort Gottes wieder neu auf uns wirken, damit der Geist Gottes uns seine Gedanken klar machen und unsere Schritte auf seinen Weg lenken kann.
  4. Sucht Demut. Wenn uns durch das Wort Gottes etwas Verkehrtes im Leben bewusst geworden ist, dann bedeutet «Demut suchen», dass wir die Sache korrigieren. Denn der Grund für das Abweichen ist meistens im Eigenwillen zu suchen. Unterordne dich als Jünger deinem Herrn an dem Platz, den Er dir angewiesen hat!

Hagar ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie man sich demütigt. Als der Engel des HERRN ihr auf der Flucht vor Sarai erschien und ihr Gewissen und Herz erreicht hatte, kehrte sie in den Dienst von Sarai zurück und demütigte sich unter ihre Hände (1. Mo 16,9).

Demut suchen heisst weiter: Beanspruche die Hilfe des Herrn im Gebet. Wer betet, sucht nicht eigenmächtig, sondern in Abhängigkeit vom Herrn zu handeln.

3) Umkehr

Nach dieser Selbstprüfung im Licht Gottes gilt es umzukehren. Vielleicht ist es eine Kurskorrektur um einige Grade, wie bei einem Schiff, das wieder auf Kurs zum Ziel gebracht wird. Oder es braucht eine Wende um 180 Grad, wie wenn wir auf einer Wanderung den falschen Weg genommen haben und zur Abzweigung zurückkehren müssen. Dazu vier Aufrufe der Propheten und ein Wort des Herrn selbst an die Versammlung in Ephesus.

  1. «Ich habe deine Übertretungen getilgt wie einen Nebel, und wie eine Wolke deine Sünden. Kehre um zu mir, denn ich habe dich erlöst!» (Jes 44,22). Sünden vernebeln uns die Sicht. Und wenn wir den Herrn aus den Augen verloren haben, gilt es, bis zu Ihm umzukehren. Nachfolgen heisst, Ihm unmittelbar folgen. Das ist nur möglich, wenn nichts zwischen Ihm und uns ist.
  2. «Kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen. Und zerreisst euer Herz und nicht eure Kleider, und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott; denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und gross an Güte und lässt sich des Übels gereuen» (Joel 2,12.13). Umkehr ist nicht nur eine äussere oder verstandesmässige Sache, sondern eine Herzensentscheidung. Zerreisst eure Herzen und nicht eure Kleider!
  3. «Nehmt Worte mit euch und kehrt um zu dem HERRN» (Hos 14,3). Meistens sind wir nicht nur auf Distanz zum Herrn, sondern haben konkrete Sünden begangen und sind einfach über sie hinweggegangen. Diese gilt es zu bekennen, und der Herr wird uns seiner Verheissung gemäss vergeben (2. Chr 7,14).
  4. «Kommt und lasst uns zu dem HERRN umkehren; denn er hat zerrissen und wird uns heilen, er hat geschlagen und wird uns verbinden. Er wird uns nach zwei Tagen wieder beleben, am dritten Tag uns aufrichten; und so werden wir vor seinem Angesicht leben» (Hos 6,1.2).
    Der Prophet Hosea belehrt uns, dass Umkehren ein Prozess von mehreren Schritten ist. Umkehren ist nicht Sache eines Augenblicks, sondern braucht Zeit. Das erlaubt uns aber nicht, die Umkehr aufzuschieben, sondern es bedeutet, dass einzelne Schritte nötig sind, die mit Tagen angedeutet werden.
    An einem ersten Tag sollen Wunden heilen und verbunden werden, denn die Sünde verursacht Wunden. An einem zweiten Tag will Er uns wieder beleben, damit wir Ihm wieder mit neuem Mut folgen. An einem dritten Tag wird Er uns wieder aufrichten.
    Wir sollen nicht am Boden liegen bleiben, sondern vor seinem Angesicht stehen und leben. Dann haben wir aufs Neue Blickkontakt mit Ihm und können so unseren Weg wieder glücklich gehen.
  5. Der Herr selbst sagt zur Versammlung in Ephesus: «Gedenke nun, wovon du gefallen bist und tu Buße und tu die ersten Werke» (Off 2,5). Diese Worte wollen wir auf uns persönlich anwenden. Gedenke, wovon du gefallen bist – das ist Einkehr. Suchen, wovon ich gefallen bin, und Buße tun – das ist Umkehr, eine Änderung des Sinnes und des Weges. Diesen Schritten sollen dann wieder die ersten Werke folgen.

Zu sich kommen, Einkehr halten und umkehren sind Beschäftigungen in eigener Sache. Das ist ein Treten an Ort. Nach diesem gilt es, wieder fortzuschreiten, nachzufolgen und zu dienen. Glücklich sind wir, wenn wir uns unter sein sanftes Joch stellen und mit Ihm den uns anvertrauten Auftrag erfüllen.