Jüngerschaft und Nachfolge (5)

Willst du mir wirklich nachfolgen?

Als der Herr Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem war, folgten Ihm Volksmengen, die von seinem Wirken beeindruckt waren. Einzelne Personen hatten den Wunsch, Ihm zu folgen, andere rief Er in seine Nachfolge. In Lukas 9,57-62 wird von drei Männern berichtet, die Ihm folgen wollten, bzw. die der Herr dazu aufforderte.

Es scheint, dass Er die Latte für die Nachfolge sehr hoch legt, und wir fragen uns: Warum wohl? Die Antwort gibt uns das Wort selbst. In Johannes 2,24.25 heisst es: «Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.» Was der Herr zu den Einzelnen sagte, deckte ihren Herzenszustand auf. So verschieden wie wir sind und denken mögen: Sein Wort offenbart unsere Beweggründe. Wenn sie echt sind, werden wir Ihm folgen wollen.

1) Ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst

«Als sie auf dem Weg dahinzogen, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege» (Lk 9,57.58).

Der erste Mann, ein Schriftgelehrter, wie wir aus Matthäus 8,19 erfahren, ist ein begeisterungsfähiger Mensch. Er ist schnell entschlossen, nicht nur zu folgen, sondern sogar ohne Einschränkung, egal wo der Meister hingeht. Der Herr aber geht in seiner Antwort scheinbar nicht auf seinen Entschluss ein, sondern sagt ein Wort, das ihm seine Überlegungen vor Augen führen musste.

Wenn der Herr sich als Sohn des Menschen vorstellt, dann weist Er hier auf seine Erniedrigung hin. Obwohl Er der Erhalter des Universums ist, hatte Er – im Gegensatz zu den Tieren – keinen Platz auf der Erde. Er war auf die Gastfreundschaft seiner Geschöpfe angewiesen. Er war der Arme. Sein Volk hatte keinen Platz für Ihn, ihren Messias.

Welche Vorstellungen von Nachfolge hatte dieser Mann wohl? Suchte er einen irdischen oder weltlichen Vorteil, oder gar Ehre von den Menschen? Hatte er nicht gemerkt, dass der Herr auf dem Weg nach Jerusalem war, wo Er leiden und sterben sollte? Diese Erde ist kein Ruheort, weil sie verunreinigt ist (Micha 2,10). Dem Herrn nachzufolgen, ist nur möglich, wenn wir bereit sind, uns selbst aufzugeben.

2) Folge mir nach

«Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes» (Lk 9,59.60).

Der Herr ruft diesen Mann in seine Nachfolge und in den Dienst der Verkündigung. Aus dessen Antwort – «erlaube mir zuvor» – merken wir, dass er seiner eigenen Priorität folgen will und nicht bereit ist, dem Herrn umgehend zu folgen. Er stellt etwas vor die Nachfolge und den Dienst, und zwar aus gutem Grund. Er meint, seinen Vater zuvor begraben zu müssen. Das ist eine wichtige Pflicht. Das Problem war, dass er dies vor die Nachfolge stellte.

Das Begraben der Toten durch die Toten hat in den Worten des Herrn noch eine geistliche Bedeutung. Die Menschen um uns her sind geistlich tot in Vergehungen und Sünden (Eph 2,1). Sie verfolgen ihre eigenen Ziele, die durchaus auch gut sein können. Lass sie das tun, du aber hör auf den Ruf des Herrn! Hat Er nicht Rechte an dich und mich, und haben diese nicht Priorität? Wie können wir predigen, wenn wir nicht bereit sind, etwas aufzugeben? Der Herr prüft auch uns, damit ans Licht kommt, welchen Einfluss irdische Belange auf unsere Herzen ausüben. Kommt Christus immer zuerst in unserem Leben? Was tust du z.B. als Erstes, wenn du morgens aufstehst? Fragst du: Herr, was ist Dir heute wichtig, dass ich es tue?

3) Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir

«Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes» (Lk 9,61.62).

Da kommt wieder einer, der von sich aus den Wunsch zur Nachfolge äussert. Aber er will Einschränkungen anbringen: Ich und meine Familie zuerst. Seine Antwort lässt keine volle Zuneigung zum Herrn erkennen, sondern: Wenn ich meiner ersten Zuneigung nachgekommen bin, dann will ich nachfolgen. Er zögert und ist unentschlossen in der Nachfolge. Natürliche Liebe hat selbstverständlich ihren Platz. Wenn sie fehlt, würde sie beklagt. Aber Christus muss zuerst kommen.

Das Zögern und Zurückschauen macht die Nachfolge unmöglich. Dazu drei Beispiele:

  • Lots Frau schaute bewusst zurück und konnte nicht mehr folgen (1. Mo 19,26).
  • Paulus dagegen schreibt: «Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend …» (Phil 3,13).
  • Unser Herr machte auf dem Weg nach Jerusalem sein Angesicht wie einen Kieselstein (Jes 50,7; Lk 9,51).

Und wir – du und ich?

Der Herr deckte bei diesen drei Männern auf, dass es nicht genügt, Ihm mit menschlicher Energie, halbherzig oder gar unentschlossen zu folgen. Nun denkst du vielleicht: Aber wer wird Ihm dann folgen können? Waren nicht fast alle Jünger einmal fragend wie Nikodemus, ungläubig wie Nathanael, zweifelnd wie Thomas, fleischlich eifernd wie Johannes und Jakobus, oder übereifrig wie Petrus? Ihnen allen begegnete der Herr mit Liebe und Geduld, indem Er ihnen den rechten Weg wies.

Bei diesen prüfenden Antworten, die in den drei obigen Beispielen vor uns sind, geht es um die entscheidenden Kernfragen:

Willst du Ihm folgen …

  • oder dein Leben nach deinen Vorstellungen führen?
  • oder stehen deine Pflichten an erster Stelle?
  • oder gilt deine erste Liebe nicht Ihm, sondern jemand anderem?

Wenn wir sorgfältig bedenken, wem wir folgen dürfen, so lasst uns beten:

Herr, schenk mir die rechte Entschiedenheit, Dir die erste Liebe zu geben, damit Du den ersten Platz in meinem Leben hast. Lehre mich, in meinem Leben gerade Furchen zu ziehen!