So musste der Christus leiden (3)

Die nächtliche Gerichtsverhandlung

Sechs verschiedene Verhöre oder Verhandlungen musste der Herr im Ganzen über sich ergehen lassen. Eine kurze Übersicht wird es uns erleichtern, diese Hergänge auseinander zu halten!

  1. Christus vor den Hohenpriestern: Johannes 18,12-24.
  2. Nächtliches Verhör vor dem Synedrium (die Hohenpriester «suchen Zeugnis gegen Jesus»): Matthäus 26,57-66; Markus 14,53-64.
  3. Verhandlung vor dem Synedrium bei Tagesanbruch (die Hohenpriester «halten Rat gegen Jesus»): nur Lukas 22,66-71, Erwähnung in Matthäus 27,1 und Markus 15,1.
  4. Christus vor Pilatus: Matthäus 27,11-14; Markus 15,2-5; Lukas 23,1-7; Johannes 18,28-38a.
  5. Christus vor Herodes: nur Lukas 23,8-12.
  6. Christus wieder vor Pilatus: Matthäus 27,15-26; Markus 15,6-15; Lukas 23,13-25; Johannes 18,38b – 19,16.

Es ist schwierig, die ganze Tragweite dieser in der Geschichte der Welt einzig dastehenden Gerichtsverhandlungen zu erfassen. Unter dem noch frischen Eindruck dieser Begebenheiten standen die Gläubigen am Anfang, als sie «einmütig ihre Stimme zu Gott erhoben» (Apg 4,24 ff.): «In dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels.»

Ja, die Könige der Erde standen da, und die Obersten versammelten sich gegen den Herrn und gegen seinen Christus. Menschlich gesprochen konnte es somit für Den, der vor diesem Gericht stand, kein Entrinnen geben. Doch wir wissen, das «Toben der Nationen» hatte nur scheinbaren Erfolg, und das «Sinnen der Völker» war nichtig; denn wozu waren sie versammelt? Wir lesen es gleich darauf: «um alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt hat, dass es geschehen sollte.» Aber vermindert das die Verantwortlichkeit des Menschen und im Besonderen die seines irdischen Volkes?

Schon beim Kommen des Herrn auf diese Erde wurde «ganz Jerusalem bestürzt», und auch damals schon finden wir «alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes» gegen Ihn versammelt (Mt 2,3.4). Ablehnung und zunehmender Hass waren die Triebfeder all ihres Tuns gegen diesen Einen auf seinem ganzen Weg. Kurz vor der Kreuzigung entflammte dieser Hass zu höchster Wut, aber schon vom Augenblick an, als sie Ihn ganz in ihrer Gewalt zu haben glaubten, trieb er sie an, sich weder Ruhe noch Schlaf zu gönnen.

Nach der Gefangennahme wurde der Herr zunächst zu Annas geführt und dann von diesem sogleich zu Kajaphas gesandt, «der jenes Jahr Hoherpriester war» (Joh 18,12-24).1

Im Johannes-Evangelium steht der Herr nur diesen beiden Männern, nicht dem ganzen Synedrium gegenüber. In ihnen und besonders in Kajaphas haben wir denn auch die eigentlich für seine Verurteilung Verantwortlichen zu suchen (Joh 19,11). Schon in Johannes 11 wird Kajaphas erwähnt. Als sich der Herr durch die Auferweckung des Lazarus aus dem Grab heraus offenkundig als der Sohn Gottes erwiesen hatte und «viele von den Juden an ihn glaubten» (Joh 11,45-53), da war er es, der, alle Bedenken der Übrigen missachtend, sich an ihre Spitze stellte und den Tod Jesu forderte, denn dies war ihm nützlich. Was half es ihm, dass Gott ihn benutzte, um seine Gedanken zu offenbaren? Er war der Schuldige, denn «von jenem Tag an beratschlagten sie nun, um ihn zu töten».

Armer Mann, der den Kampf gegen Gott aufnahm! Es kostete ihn schon auf der Erde viel («reichlich Geld» (Mt 28,12)) und eine Lüge obendrein, um den Schein eines Erfolgs vor dem Volk zu wahren. Auch unter den Verfolgern der ersten Christen wird sein Name genannt (Apg 4,6); wie furchtbar wird er geerntet haben, was er gesät hat!2

«Der Hohepriester nun fragte Jesus über seine Jünger und seine Lehre» (Joh 18,19). Das war die formelle Frage des Richters an den Angeklagten. Er wollte ganze Arbeit leisten – deshalb die Frage nach den Jüngern – und zugleich Anhaltspunkte finden, die es ihm ermöglichten, auf der schon so lange verfolgten Bahn nun auch mit Sicherheit zum Ziel zu kommen. Aber dem guten Hirten lag es fern, auch nur eins der Geringsten seiner Herde dem Volk preiszugeben. Und was seine Lehre anging, so hatte Kajaphas Gelegenheit genug gehabt, sie zu hören. Denn der Herr hatte «öffentlich» und «allezeit in der Synagoge und im Tempel gelehrt» und «im Verborgenen hat er nichts geredet» (Joh 18,20); ja, «er konnte nicht verborgen bleiben» (Mk 7,24). Hatte Kajaphas diese vielen Gelegenheiten nicht genutzt, dann traf die Schuld ihn selbst. Mochte er sich doch an die Zöllner und Sünder wenden, denn sie hatten Ohren gehabt, «zu hören» und «wussten, was er gesagt hatte» (Lk 14,35; 15,1; Joh 18,21).

Mit welch göttlicher Weisheit und Würde wusste der Herr doch diesem ärgsten unter seinen Feinden zu begegnen! Wieder sehen wir Ihn hier – wie immer in diesem Evangelium – über den Umständen und Personen stehen: Israel ist im Verfall, und in keiner Weise anerkennt der Herr diesen von Menschen berufenen Hohenpriester (Joh 18,22.23), noch hat Er, wie später Paulus bei einer ähnlichen Gelegenheit, etwas von seinen Worten zurückzunehmen (Apg 23,3-5). So behält Er hier, wenn wir so sagen dürfen, vor Kajaphas das letzte Wort; bei Matthäus und Markus sehen wir im Gegensatz dazu die Ungerechtigkeit der Führer Israels schon bei diesem nächtlichen Verhör den scheinbaren Sieg erringen.

Stand Jesus bis dahin nur einigen wenigen gegenüber, so sehen wir jetzt die Szene sich beleben und füllen; denn «alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten versammeln sich» nun bei Kajaphas (Mt 26,57-68; Mk 14,53-65). Obwohl die amtliche Ratssitzung erst bei Tagesanbruch stattfand (Lk 22,66), stellt diese nächtliche Zusammenkunft doch die eigentliche Gerichtsverhandlung dar, bei der, was Israel betraf, das Urteil über Christus gefällt wurde.3

Welch eine Gerichtsverhandlung! «Die Hohenpriester aber und das ganze Synedrium suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen» (Mk 14,55). Das Ziel, das Urteil stand von vornherein fest. Um es fällen zu können, mussten sie erst «Zeugnis suchen»! Matthäus sagt sogar: Sie «suchten falsches Zeugnis» gegen Ihn (Mt 26,59). Sie wussten, dass sie ihr Urteil niemals auf eine gerechte Grundlage stellen könnten! Schon einmal «hielten sie Rat, wie sie ihn in seiner Rede in eine Falle locken könnten» (Mt 22,15). Sie «belauerten ihn und sandten Aufpasser aus, die sich verstellten, als ob sie gerecht wären, um ihn in seiner Rede zu fangen» (Lk 20,20).

Doch was sie «vor dem Volk nicht vermochten» (Lk 20,26), darauf richtete sich jetzt in geheimer, nächtlicher Versammlung ihr ganzer Eifer. Sie beachteten nicht, dass das Gesetz jedes falsche Zeugnis verbot und kompromisslos mit Strafe drohte (5. Mo 19,16 ff.). Und welche Mühe sie sich auch gaben, sie blieb vergeblich. Denn «sie fanden keines, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten» (Mt 26,60). Nicht zwei von ihnen stimmten überein, denn das hätte genügt. Vor dem Obersten Gerichtshof der Juden fand damit das Wort unseres Herrn: «Wer von euch überführt mich der Sünde?» (Joh 8,46). vor diesem Volk seine ausdrückliche, amtliche Bestätigung. Auch die zwei, die «zuletzt herzutraten» (Mt 26,60), waren «falsche Zeugen» (Mk 14,59), denn die Worte, die sie anführten, hatte Er weder so gesagt noch gedacht (Mk 14,57.58; Joh 2,19 ff.). Er hatte weder gesagt: «ich kann» oder «ich werde abbrechen», noch den «mit Händen gemachten» Tempel gemeint, sondern von dem, was sie tun würden, vom «Tempel seines Leibes», von seinem Tod und seiner Auferstehung gesprochen. «Und auch so», wie schon zuvor, «war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend» (Mk 14,59). Die Bedingung des Gesetzes war nicht erfüllt, dass «aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werden» sollte (5. Mo 17,6).

Wie ernst hatte Gott damals dieses Volk davor gewarnt, anders als mit gerechtem Gericht zu richten! (5. Mo 16,18-20). Diesen Richtern aber kam es nicht darauf an, auch nur den Schein eines Rechts zu wahren. Schon zu lange dauerte dem Kajaphas das aussichtslose Spiel. Wozu das alles? «Der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts? Was bringen diese gegen dich vor? Er aber schwieg und antwortete nichts» (Mk 14,60.61). Der schuldige erste Mensch suchte sich vor dem allwissenden, göttlichen Richter zu entschuldigen (1. Mo 3,12); der schuldlose zweite Mensch, vor dem ungerechten menschlichen Richter, rechtfertigt sich nicht, sondern schweigt. Sieben Mal lesen wir in der Leidensgeschichte von Ihm, dass Er schwieg; «er antwortete ihm nichts»; «er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort»; «Jesus aber antwortete gar nichts mehr»; «Jesus aber gab ihm keine Antwort» (Mt 26,63; 27,12.14; Mk 14,61;15,5; Lk 23,9; Joh 19,9). Bewunderungswürdiger Herr! «Der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet» (1. Pet 2,23).

Da reisst dem Hohenpriester die Geduld. Er greift zu seinem letzten, entscheidenden Mittel: Die Anwendung des Eides musste den schweigsamen und doch so würdevollen Mann dort vor ihm zum Reden bringen. «Und der Hohenpriester hob an und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes!» (Mt 26,63).

Der Augenblick war gekommen, wie wir ihn uns kaum feierlicher und ernster vorstellen können. Gott hatte ihn herbeigeführt, um die wahren Beweggründe des Menschen für die Verwerfung des Sohnes Gottes ans Licht zu bringen. Denn nicht aufgrund der falschen Zeugenaussagen ist seine Verurteilung erfolgt, nicht irgendeine Anschuldigung, die der Mensch vorbrachte, hat sie herbeigeführt, sondern das Zeugnis der Wahrheit aus dem Mund Dessen, der die «Wahrheit» ist (Joh 14,6).

Denn beschworen, unter Eid gestellt, hätte sich der Herr, wenn Er weiter geschwiegen hätte, in Widerspruch zum göttlichen Gesetz gestellt,4 und das war für Ihn nicht möglich. Wie gross steht Er inmitten all dieser Bosheit und Lüge da, in seinem Schweigen der einzig Gott Ergebene, in seinem Reden der einzige «treue und wahrhaftige Zeuge» (Off 3,14)! «Jesus aber sprach: Ich bin es» – «du hast es gesagt!» (Mk 14,62; Mt 26,64). Er legte das notwendige Zeugnis ab. Er wusste, was die Folgen dieses Zeugnisses sein würden. Er hing nicht an seinem Leben (Joh 12,25), denn als der Gehorsame, dem Gesetz Gottes und seinem vollkommenen Willen unterworfene Mensch, erniedrigte Er sich «bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz» (Phil 2,8).

Aber Der, der vor ihnen stand, war der Mensch vom Himmel. Und als solcher erhebt Er sich gleich darauf (wie so oft) aus der Stellung der Niedrigkeit und Abhängigkeit zu seiner ganzen erhabenen Höhe. Mit einem «Doch ich sage euch …» (Mt 26,64) wendet der Herr das Blatt. Der Angeklagte wird zum Richter, und die Richter zu Angeklagten: «Doch ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.»

Wir stehen am Höhepunkt der Vorgänge der finsteren Macht. Der Herr kannte die Herzen der Führer Israels und die Antwort, die das Zeugnis der Wahrheit in ihnen hervorrufen würde. Wer aber die überreichlich angebotene Gnade verwarf, musste sich dem heiligen und gerechten Gott stellen. Denn bevor die ungerechten Richter noch den Spruch gefällt hatten, empfingen sie aus dem Mund des Herrn, dessen «Gericht gerecht ist» (Joh 5,30), ihr eigenes vernichtendes Urteil.

War ihre Erwartung bisher auf den Messias gerichtet (und noch war es Zeit, den Herrn als solchen anzuerkennen) – «von nun an» blieb ihnen nur übrig, auf den «Sohn des Menschen» als ihren Richter zu warten. War Er bis dahin unter ihnen «umhergegangen, wohl tuend und alle heilend, die von dem Teufel überwältigt waren» (Apg 10,38), fortan würden sie Ihn nicht mehr in Niedrigkeit sehen, sondern «zur Rechten der Macht» sitzend. Und wenn Er wieder auf diese Erde kommen wird, dann nicht mehr um «zu suchen und zu erretten», sondern auf den Wolken des Himmels, in himmlischer Herrlichkeit, um sein irdisches Volk zu richten (Mt 24,30; Ps 110,1.2.5).

Vergeblich suchen wir nach einem Ausdruck des Erschreckens angesichts dieses feierlichen Ausrufs des Herrn. Seine Klage über die Stadt: «Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen» (Lk 19,42), bewahrheitet sich auch hier; denn was sie hätte zu Boden schmettern müssen, wird ihnen willkommener Anlass, ihre teuflische Sache zum gewünschten Ende zu bringen. «Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert; was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. Was meint ihr?» (Mt 26,65.66). Welche Blindheit! Während er den Sohn Gottes wegen dem Zeugnis der Wahrheit der Gotteslästerung und damit einer Gesetzesübertretung beschuldigt, auf die der Tod stand (3. Mo 24,16), übertritt er selbst das Gesetz und macht sich des Todes schuldig! Denn es war dem Hohenpriester und seinen Söhnen gesagt: «Ihr sollt … eure Kleider nicht zerreissen, damit ihr nicht sterbt, und er nicht erzürne über die ganze Gemeinde» (3. Mo 10,6; 21,10).

«Sie alle aber verurteilten ihn» (Mk 14,64) und sprachen: «Er ist des Todes schuldig!» (Mt 26,66). Wie furchtbar! Es war ein Justizmord, wie er in der Geschichte aller Zeiten einzig dasteht. «Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt! Sie war voll Recht, Gerechtigkeit weilte darin, und jetzt Mörder!» (Jes 1,21).

Der Zweck der nächtlichen Versammlung war erreicht, das Urteil gefällt, das Los des Herrn, aber auch das Israels entschieden. Israel brach den Stab über seinen König, den Gott gesalbt hatte. Der Mensch fällte das Todesurteil über Gott, offenbart im Fleisch (1. Tim 3,16), so unsinnig das klingen mag, so furchtbar vermessen war es auch. In jener Nacht, in der Halle des Hohenpriesterhauses, ist es zur geschichtlichen Tatsache geworden. Gott liess es zu, um offenbar zu machen, was im Menschen ist, und um gleichzeitig einen Weg der Rettung aus den Tiefen der Gottlosigkeit zu bahnen.

  • 1Diesen Zusatz finden wir im Johannes-Evangelium bei jeder Erwähnung des Kajaphas, somit kann es sich wohl, wenn in Johannes 18,15 ff. vom Hohenpriester die Rede ist, auch nur um Kajaphas (nicht um Annas) gehandelt haben (Joh 18,24). Zu jener Zeit war das Hohepriestertum in völligem Verfall. Nicht die Erbfolge (2. Mo 29,29.30; 3. Mo 16,32), sondern die politischen Machthaber, die religiösen Strömungen im Land, Ehrgeiz und Geld bestimmten den Eintritt in dieses Amt. Die Geschichte berichtet, dass Annas im Jahr 15 nach Christus von den Römern abgesetzt worden sei und Kajaphas im Jahr 26 das Amt übernommen habe. Nach dem erwähnten Zusatz bei Johannes ist man sogar genötigt, an einen jährlichen Wechsel zu denken (Joh 11,49.51; 18,13). Lukas 3,2 wieder scheint auf ein gleichzeitiges Amtieren der beiden Männer hinzudeuten. Welch eine Verwirrung!
  • 2Nach der Geschichte wurde er im Jahr 36 oder 37, also wenige Jahre nach dem Tod Jesu, von den Römern seines Amtes enthoben. So musste er – wie alle, die da glauben, gegen Gott und seinen Sohn etwas ausrichten zu können – sein Leben als ein Enttäuschter beenden.
  • 3Nach den jüdischen Verordnungen waren nächtliche Gerichtssitzungen verboten. Das Synedrium, das aus 70 Mitgliedern und dem Hohenpriester als Vorsitzendem zusammengesetzte Oberste Gericht, gegen das es keine Berufung gab, tagte sonst im Tempel, nicht wie hier im Haus des Hohenpriesters (Lk 22,54). So fand das Gericht hier zu aussergewöhnlicher Zeit und an aussergewöhnlichem Ort statt – wahrlich kein Zeichen eines guten Gewissens!
  • 4Die Worte: Ich beschwöre dich usw. bildeten die Eidesformel, die – vom Richter und nicht wie heute bei uns, vom Zeugen gesprochen – den also «Beschworenen» zur Aussage verpflichtete. Wenn jemand die Stimme der Beschwörung (des Fluches) hörte, so sagte das Gesetz, «sei es, dass er es gesehen oder gewusst hat – wenn er es nicht anzeigt, so soll er seine Ungerechtigkeit tragen» (3. Mo 5,1; Spr 29,24).